Trutzburg in der Zwei-Burgen-Stadt. Teil 3

Die Gemüter in der Stadt erheitern sich und erhitzen.
Was passiert mit der neuen Burg am Hasenberg? Recht sagt das Eine, der Verstand das Andere.
Herr S. sammelt Sympathiepunkte, Spaziergänger und Zeitungsleser äußern Bewunderung und sind beeindruckt.
Hier und da kommen schon auch positive Stimmen aus wichtigen Ecken und Kreisen. Es tut sich was…
So hat Herr Burelbach – unser neuer Bürgermeister – bei letzter Kreistagssitzung gesagt: „Wir sind jetzt die Zwei-Burgen-Stadt“ und bat das Bauamt zu überprüfen, ob für die Starkenburg eine Baugenehmigung vorliegt.
Herr Hörst (Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung) anerkennt die „immense Leistung“ von Hr. S. und freut sich „Wenn ich die Burg sehe, geht das Kinderherz im Manne auf“. Mit den Behörden geht er etwas strenger um: „Die haben ihren Einsatz verpennt“ und findet, wenn neun Jahre nicht durchgegriffen wurde, dann verdient die Lehmburg ein Duldungsrecht.
Seine Mutter, Fr. Hörst (FDP) meint: “Als Behörde müssen wir immer im Sinne der Verhältnismäßigkeit über das weitere Vorgehen entscheiden” und “Es würde sich bestimmt ein Sponsor dafür finden”.
Ein Leser fasst zusammen: Heppenheim ist Hoftheater, zweimal Formel-1-Weltmeister und jetzt Zwei-Burgen-Stadt und schlägt vor, dass die Stadt ein Wilkes-Pfad (an der Burg vorbei) errichtet und gibt genaue Angaben zum Verlauf und Einkehr.
Und ein anderer Leser schreibt: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg… Sicher ist da vernehmlich was zu machen.. Über Modalitäten und Auflagen lassen sich Gespräche führen. Respekt vor dem Künstler, seinem Werk und den Menschen, die sich daran erfreuen, sind in den Mittelpunkt der Entscheidung zu stellen“.

Also! schreibt! kommentiert! hört Euch um! sagt, was Ihr denkt!

DIE BURG MUSS BLEIBEN !!!

 

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Data: Freitag, 17 Feb 2012 @ 7:22

Autor: Themengebiet: Aus der Zeitung, Kurios und besonders

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4 Kommentare

  1. 1

    Hallo,
    ich habe die Trutzburg noch nicht gesehen, werde das aber nachholen.
    Finde die Idee super.
    G.S.

  2. 2

     
    Das Märchen von der Trotzburg oder Gaudí in Hepprum
     
    Es war einmal ein armer Ritter. Der hieß Volker und lebte zu Hepprum im schönen Nibelungenland. Der Ritter war zwar arm, aber ohne Furcht und Tadel, ohne Schimpf und Schande. Sein größter Schatz waren Tau­sende und Abertausende fleißiger Bienen, die zur Freude der vielen Honigbrot-liebhaber emsig von Blüte zu Blüte summten, ohne Rast und Ruh. 
    Eines schönen Tages sah er seinen kleinen Freunden bei ihrem süßen Tagwerk zu. Da hatte der arme Ritter eine Vision: Zur Verschönerung und zum Ruhme der Region wolle er eine zweite Burg bauen und diese solle allzeit von der Tatkraft ihres Schöpfers künden. Und so plante, werkelte und mauerte er tagein, tagaus – wohl an die neun Sommer und Winter lang. 
    Ein gewisser Antoni Gaudí ging im spanischen Barcelona einer ähnlichen Bestimmung nach: der Errichtung imposanter Bauwerke. Scheinbar auch ohne Konzept, Wasserwaage oder einem Zeitlimit. Der Nächste im Bunde war ein gewisser Friedensreich Hundertwasser – der Eckiges rund machte und so zu Ehre gelangte. 
    Unser Volker baute unverzagt und ganz allein. Denn die Heinzelmänn-chen schnürten gerade diverse Rettungspakete, die Sieben Schwaben, die sich nun Wutbürger nannten, waren mit ihrem liebwerten Stuttgarter Bahnhof und seinen vielen alten Bäumen drumherum vollends ausgelas-tet. Im Jahr des Drachen hockten selbige in einschlägigen Museen oder waren mit diversen 1-Euro-Jobs ausgebucht. 
    Da der Volker, wie ihr wisst, arm war, konnte er sich keinen feinen Odenwälder Granit leisten. So verwandte er hauptsächlich Wackersteine, Lehm, Reisig und Balken von selbsterlegten Bäumen – Statik hin oder her. So steht sogar heute noch ein Turm im fernen Pisa und denkt nicht ans Umfallen. Eines jedenfalls war sonnenklar: des Ritters Baustoffe waren ökologisch, nachhaltig und asbestfrei. 
    Unser armer Ritter aber hatte in seiner Euphorie die Macht der Obrig-keit ignoriert. Ein schwerer Fehler, denn Kraft ihres Amtes und aus Prinzip entschied diese: Nö, njet, nada. Aber der Volker wäre kein Ritter, würde er sich davon allzu schnell ins Bockshorn jagen lassen: Ab und an störten ihn nur unwesentlich diverse Pamphlete und Abriss-Erlasse. So stand sie denn eines schönen Tages da: die Trotzburg am Vorder-berg! Da ging ein Aufschrei, nein, ein Ruck durchs ganze Land: Skandal! Unerhört, wo kommen wir da hin! Das Ding muss weg! Und zwar sofort! 
    Selbst der König, der mittlerweile abdanken musste und nun seine wohlfeilen Backsteine zählte, konnte hier nicht helfen. Er war sehr zufrieden, dass zumindest er ausgesorgt hatte. Bis ans Ende seiner Tage. Ehre, wem Ehre gebührt! Wenngleich einige mißgünstige Querulanten maulten und murrten. Undank ist der Welt Lohn!
    Dem armen Ritter standen treue, aber ebenfalls nur wenig betuchte Freunde zur Seite, die wie er ratlos waren und verzweifelt nach einer Lösung suchten. Weit und breit keine einflussreichen Gönner oder allmächtige Zauberer – die Abrissbirne kam immer, immer näher. 
    Als die Not am größten war, die Taler längst ausgegeben und dem armen Ritter von allen Seiten der Marsch geblasen wurde, erschien doch noch die obligatorische gute Fee. Ihr wäre seine Pein und sein Mühsal zu Ohren gekommen, er hätte doch noch die drei Joker – äh Wünsche. Es würde schon alles wieder gut werden, bla, bla, bla. 
    Das war knapp und der Volker vielleicht froh! 
    »Liebe, gute Fee, dich sendet der Himmel. Zuerst schick mir einen wohlhabenden Sponsor, der mich wieder beflügelt und mich meine Arbeit vollenden lässt. Zweitens: Mach, dass auch in Bollywood mein Werk bekannt wird und Drittens, schaff mir endlich das Rapunzel her. Für wen denn sonst habe ich mich so abgerackert!«
    Es erhob sich ein gar gewaltig Getöse! Es blitzte, donnerte und rummste! Selbst in den Amtsstuben, wo das Prinzip galt: »Erst schlafen, dann schleifen!« wurde der Schimmel munter, warf einige Paragraphenreiter und dampfende Äpfel ab und wieherte aufgeregt.
    Der arme Ritter war vor Schreck ganz blass geworden. Als er seine Augen wieder öffnete, glaubte er zu träumen: Auf allen Zinnen wehten blau-rote Banner und ertönten Fanfaren. Die berühmte flügelverleihende Wunderbrause wurde eimerweise an singende, tanzende Inder, Japane-sen und andere Asiaten verteilt. Aus unzähligen Reisebussen ergossen sich frohgemute Pauschaltouristen – die sonst als wohlbetuchte Kreuz-fahrer die Weltmeere bevölkert hatten. Denn auch da war man ja neuerdings vor Unbill nicht mehr so sicher. Alle fotografierten, bis die Speicherkarten glühten. 
    Die beliebtesten Casting- und Kuppelshows – sogar das gefürchtete Dschungelcamp – versuchten die besten Plätze am Vorderberg zu ergattern. Zu jeder vollen Stunde ließ Rapunzel ihr güldenes Haar herunter,  auch dafür standen die Spon­soren inzwischen Schlange. Sogar aus dem schottische Hochland wurde der Highländer entsandt. Er fühlte sich hier gleich heimisch. Mit dem inzwischen heimgekehrten schnellsten Sohn der Stadt und dem XIV. Benedikt plauderte er über Themen wie:
    »Es kann nur einen geben!« oder »Die Wunderlampen vom Marktplatz« 
    Die Welt nahm also regen Anteil am Spektakel. Sogar ein Neuzugang im Humoristenhimmel, der sich einst Loriot nannte, sah von seiner Wolke aus dem munteren Treiben zu und lächelte stillvergnügt … Die lokalen Gazetten waren hocherfreut, denn durch die zahlreichen Lob- oder Schmähbriefe schreibwütiger Leser wurde endlich das gefürchtete Frühlings-Sommer-Herbst-und-Winterloch gefüllt.
    Das Gemeindesäckel der Hepprumer quoll und quoll und quoll – wohin auf einmal mit der ganzen Kohle? Nun waren plötzlich wieder genügend Taler da für die anderen maroden Bauwerke, denen dringend geholfen werden musste. Alle waren froh und glücklich. Alle? Nein! Der arme Ritter Volker konnte all dies nicht mehr so richtig genießen. Nur noch von Weitem durfte er sein Lebenswerk bestaunen. Honorige Amtsträger, wortgewaltige Rechtsgelehrte und eifrige Landschaftspfleger hatten ihn mit Acht und Bann belegt. Sie überboten sich immer lautstärker mit Forderungen nach drastischen Sanktionen und Bestrafung des mutwilligen Übeltäters. 
    Das hatte der arme Ritter doch nicht gewollt. Nur eins stand ihm im Sinn: Gutes tun und bauen, bauen, bauen. Aber wie das im Märchen so ist, wenn sie nicht gestorben sind, so streiten oder wundern sie sich noch heute. 
     
    Nichts für ungut: Irgendwelche Parallelen zu heutigen Ereignissen oder Personen sind rein zufällig und keineswegs beabsichtigt!
     

  3. 3

    die Entscheidung der Stadt Heppenheim, die Burg abzureissen ist eine Schande für die Demokratie. Die Meinungen der Bürger sind uninteressant; Nichtstun  wird gefördert; das Schaffen von Kultur und Kunst wird bestraft..
    Da ist jeder EURO Steuergelder zu viel ! Die nächste Wahl kommt bestimmt, hoffentlich erinnern sich noch viele Bürger daran-
     

  4. 4

    Meiner Meinung nach trifft die Behörden in diesem Fall mehr Schuld als den Erbauer der illegalen Burg, da 2 Jahre nach Beginn der Bau schon aktenkundig war und kein Baustop verfügt wurde. Von anderen illegalen Baustellen weiß man dass sofort die Exekutive anrückt wenn man nach einer solchen Maßnahme weiterbaut und im Fall der Burg läßt man Ritter Sieradski 7 Jahre lang unbehelligt. Jetzt steht die Burg und keiner macht sich auch nur die Mühe die Standsicherheit mal zu überprüfen. Bei der Brücke aus Lehm und Geflecht mag die Statik fragwürdig sein aber die Turmbauten scheinen ja aus massiven Mauersteinen zu bestehen. Das Bauwerk ist sehr schön und dass ausgerechnet ein Grüner hier den Abriss vorantreibt nimmt mir den Glauben dass diese Partei irgendetwas zum Besseren wendet.

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