Rudolf Kohl

Vor paar Jahren haben wir in einem Artikel geschrieben, dass über Herr Rudolf Kohl ein Extrabeitrag kommt.
Nun, einen Beitrag haben wir noch nicht geschrieben…
Jetzt ist Rudolf Kohl nicht mehr da und die Stadt hat ein Original und Unikum verloren. Eigentlich das letzte.

Denn Rudolf Kohl hat das Stadtbild so geprägt, dass man sich Heppenheim ohne ihn nur schwer vorstellen kann.
Am Freitag, den 17 Mai, wurde er beerdigt und Feuerwehrleute haben Totenwache gehalten. Anschließend wurde im Feuerwehrstützpunkt ein großes Fest gefeiert – so hat sich das der Verstorbene zu Lebzeiten gewünscht.

Jeder in Heppenheim kannte ihn. Schwer und humpelnd (nach einer alten Beinverletzung) schritt er über die Straßen, immer freundlich und lächelnd, obwohl er etwas streng wirkte.
Sein Leben war die Feuerwehr – damit hat er eine Familientradition erfüllt, denn sein Großvater hat im 1882 die Heppenheimer Feuerwehr gegründet. In der Kirchengasse befindet sich sein privates Museum. Sein besonderer Stolz waren Helme aus der ganzen Welt (sogar aus Vatikan), die er auf verschiedene Weise eingesammelt hat, durch Tausch oder Geschenke. Gern hat er Besucher durch das Museum geführt und zu jedem Exponat lebendige Geschichten erzählt. Ich kann mich nicht erinnern, dass man Eintritt zahlen musste.
Aber am Zaun des Vorgartens war eine Spendendose, wo die Zuschauer und Besucher immer gern was eingeworfen haben.
Denn hier, hat er ein Mini-Heppenheim aufgebaut, mit Zügen und ICE-Heppenheim, Sebastian Vettel, Starkenburg und Weinbergen, Feuerwehr und Tatütata. Wenn man gerade Glück hatte und ihn angetroffen hat, dann hat er einen Brand entfacht, den viele kleine Feuerwehrmännchen tapfer mit echtem Wasser gelöscht haben. Kinder haben immer vor dem Zaun gestanden, aber Erwachsene haben auch ihr Spaß gehabt. Es war etwas besonderes, was man Gästen zeigen konnte.
Viele kannten Rudolf Kohl auch in der Rolle des Nachtwächters, der mit seiner Hellebarde späte Stadtveranstaltungen besucht und traditionell mit gewaltiger Stimme zu Nachtruhe aufgerufen hat.
Seinen Geburtstag hat er immer mit einem Straßenfest in der Kirchgasse, vor seinem Haus gefeiert. Es war eine Veranstaltung in der Altstadt, die Freunde und Fremde, Heppenheimer und Touristen angezogen hat. Einmal waren wir auch dabei. Und zwischen Kaffee und Bierchen konnte man das Museum sehen.
In diesem Haus, an der Kirchgasse 12, wurde im März 1864, damals bei Schlossermeister Martin Kohl, ein Gesellenverein – Vorgänger der heutigen Kolpingfamilie – gegründet. Rudolf Kohl selbst war bis zuletzt aktiv für die Kolpingfamilie und hat auch im Chor gesungen. Ha! mit der Stimme!
In seinem Haus wurde auch 1977 von zehn engagierten Bürgern (auch Ludwig (Muggel) Müller) Altstadtfreunde-Verein gegründet und er war erstes eingetragenes Mitglied.

Rudolf Kohl war auch ein Weltenbummler und jährlich über mehrere Monate auf Luxuslinern unterwegs, wo er das Schöne mit dem Nützlichen verbunden hat und als Feuerwehrexperte fungierte. Viele Helme und Utensilien für sein Museum hat er auf diesen Reisen gesammelt.
Schon vor paar Jahren musste er eine Chinareise wegen Beschwerden an seinem kranken Bein abbrechen.
Und jetzt, auf der 15. Kreuzfahrt – auf Azoren – ist er nach Abfahrt von Sao Miguel krank geworden, wurde noch auf der Insel Terciere ins Krankenheus gebracht, leider konnte man ihm nicht mehr helfen. Wir kennen Azoren und Sao Miguel – eine wunderschöne Ecke der Erde, aber nicht zum sterben.
Wie gelebt, so gestorben – sagt man. Auch hier kann man es anwenden: Reisen, Feuerwehr, Geselligkeit.
Er hat Heppenheim geliebt und die Welt auch. Nach jeder Reise hat er sich erst zu Hause gefühlt, wenn er die Altsteinpflaster unter den Füßen gespürt hat. Gestorben in der weiten Welt, für Feuerschutz tätig…
Rudolf Kohl war Junggeselle, hatte keine Kinder.
Man fragt sich jetzt, was mit dem Museum, der Modelleisenbahn im Garten und dem Haus passiert. Aber das hat er sicher alles geregelt, denn er war nicht gesund und hat vermutlich damit gerechnet, dass er keine Hundert wird. Vielleicht macht die Feuerwehr weiter. Oder die Altstadtfreunde.
Herr Rudolf Kohl hatte viele Freunde und hat sich sehr für die Stadt verdient – es wird genug gute Menschen geben, die sein Werk wahren und pflegen werden.

Startfoto der Videodatei von: Steffen Jakob

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Data: Sonntag, 19 Mai 2013 @ 16:19

Autor: Themengebiet: Kurios und besonders

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