Zweite Kerze

Sonntag, 7 Dez 2008 @ 17:50

Zweite Kerze Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst ein dann zwei…
Heute ist ein stiller und ruhiger Tag. Draußen ist es trocken, sogar der Himmel war halb wolkenfrei. In Bensheim (die nächste Stadt, 5km) ist ein schöner Weihnachtsmarkt, der bis 20.12. dauert. Wer ein bisschen weiter und größer möchte, der kann in die romantische Kulisse von Heidelberg fahren. Der Markt dort liegt direkt unter dem beleuchteten Schloss, das imposant auf dem Schlossberg über der Stadt thront und sich gewaltig über den Düften und Musikklängen in Szene setzt. Die Fahrt lohnt sich.

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Nikolausmarkt.

Sonntag, 7 Dez 2008 @ 9:40

Gestern war in unserer Altstadt und Fußgängerzone der alljährliche Nikolausmarkt. Leider ist er bei uns nur einen Tag und dazu hat es geregnet. Wir haben schon mit dem Gedanken gespielt, zu Hause zu bleiben, aber unser Nachbar hat angeklingelt, ob wir gehen. Und? Wir sind gegangen, zu viert ist es lustiger, sogar im Regen. Und wie sagt man?: es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.
Trotz Regen waren erstaunlich viele Leute da, mit Schirmen und darunter, haben zusammengestanden, Wein getrunken, Bratwurst oder Pizza gegessen, gelacht und geredet. Wir sind auch an einem Glühweinstand angekommen, unter einem großen Schirm war genug Platz – wie extra für uns. Als wir mit dem wärmenden Getränk fertig waren, hat es auch aufgehört zu regnen. Jetzt konnten wir weiter gehen. Man muss immer alles begehen. Sehen und gesehen werden! In einer kleinen Stadt darf man nichts verpassen.
Am Großen Markt war es so voll, dass wir kaum durchkommen konnten. Am Rathaus haben wir bisschen Musik gehört, irgendwie gehört es dazu. Neben der großen Tanne haben wir uns wieder Glühwein gewünscht und dazu hat man uns auf die Hand leckeren Lebkuchen gegeben. Gleich daneben haben wir bei den Altstadtfreunden eine Ausgabe über den Umbau vieler Häuser in der Altstadt gekauft (genau was ich letztens geschrieben habe). Sind alle da? dann weiter zwischen die Leute und die vielen Buden, mit Weihnachtsdekoration, Kerzen, Spielzeug, Vogelfutterkästen und was sonst noch.

Gedränge im RegenAm MarktWeihnachtsmusikAm MarktNoch ein GlühweinDuft von Crêpes

Am Kleinen Markt war auch Musik, dazu Duft von Pfannkuchen und es hat wieder geregnet, also… dritte Runde Glühwein, dabei durften wir Christstollen probieren. Gut, dass Jurek keinen Glühwein mag, einer musste ja fahren.
Satt gegessen und getrunken, zufrieden sind wir nach Hause gefahren und haben noch Stündchen bei uns gesessen.
In guter Gesellschaft kann man auch bei Regen schöne Zeit verbringen. Aber für nächstes Jahr wird sicher besseres Wetter bestellt.

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„Ostbahnhof“

Samstag, 6 Dez 2008 @ 8:53

OstbanhofAn der Ostausfahrt der Stadt, in der Siegfriedstrasse 198, steht ein Haus, bekannt als „Ostbahnhof“. Fast täglich fahre ich an ihm vorbei – alte Bruchbude, mit hässlichen Wänden in Farbe, die vor vielen Jahren vermutlich gelb war. Ich habe das Haus vor 18 Jahren kennengelernt, als ich am Anfang meiner Arbeit dort zu einer alten Patientin musste. Ich kann mich bis heute an das schreckliche Gefühl erinnern, schiefe, schmutzige Treppen, quietschende, verkratzte Tür, die sich nicht schließen lies, kleine Fenster mit angerissenen Gardinen, dunkel und dreckig. Damals war daneben ein zweites ähnliches Haus.
Man hat dort die Obdachlosen und die, die kurz davor standen, untergebracht. Die letzte soziale Station. Jede Stadt hat solche Orte, selten ein Grund zum Stolz.
Heppenheim hat seit Jahren ein neues Haus und ich war überzeugt, dass dieses leer steht. Und wunderte mich, warum es nicht abgerissen wird. Jetzt habe ich in der Zeitung (Starkenburger Echo, 3.12.08) gelesen: das Haus steht unter Denkmalschutz, es wurde nach dem ersten Weltkrieg gebaut, als Unterkunft für kinderreiche und arme Familien, also erster Sozialwohnungsbau, es gehörte zum Komplex aus mehreren Häusern, die in den siebziger Jahren abgerissen wurden. Anfangs dienten alte Eisenbahnwagons als Obdach, daher im Volksmund – „Ostbahnhof“. Erstaunt hat mich die Information, dass letztes Jahr dort noch sechs Leute gewohnt haben. Und gestern habe ich in einem Fenster Licht gesehen.
Das Haus wird jetzt doch abgerissen und damit wird ein Kapitel der Geschichte von Heppenheim zu Ende gehen. Und der Letzte macht das Licht aus.
Am Anfang meiner Arbeit habe ich auch anderes Haus kennengelernt, bekannt als die „Willa Sonnenschein“. Das war eine Baracke mit zwei Ebenen, in der acht Familien (glaube ich) gewohnt haben, zwei davon schon in der nächsten Generation. Der Hof war immer voll vom Sperr- und Müll.
Als ich dort das erste mal gehen sollte, habe ich meinen Dienstkalender unter den Arm genommen, im weißen Kittel und mit dem Kalender habe ich mich sicherer und amtlich gefühlt. Unnötig, den die Patientin war eine sehr einfache Frau, aber nett und die Wohnung war recht sauber. Sie hat sich nur beschwert, dass die Küche dunkel ist, weil die Brennnesseln das Fenster halb zuwachsen. Warum schneidet sie sie nicht ab? Weil es Sache der Stadt ist…
Ich bin dort noch paar Jahre gegangen, in der Zeit habe ich auch noch andere Wohnungen besucht, nicht mehr so ordentlich. Aber alle waren furchtbar mit jeglichem Mobiliar zugestellt und sehr (!!) viele Videokassetten und volle Aschenbecher waren da. An Stelle der „Willa Sonnenschein“ steht heute ein schönes gepflegtes Reihenhaus. Aber es war auch ein Teil der Geschichte.
Über die Jahre der Arbeit bin ich auch in viele alte Häuser in der Altstadt gegangen, die den Atem gestockt haben. Heute gibt es immer weniger davon. Die alten Leute verlassen die Häuser und die Erben und neuen Eigentümer stecken viel Geld und Liebe rein und richten daraus schicke Vorzeige-Pralinen der Stadt. Über manches von diesen Häuser, die heute bewundert werden, könnte ich paar Geschichten erzählen. Vielleicht sollte man sie aufschreiben, bevor sie vergessen werden.
Das ist mein persönliches Wissen über die lebendige Geschichte der Stadt.

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Erste Kerze.

Montag, 1 Dez 2008 @ 20:28

Erste KerzeDie erste Kerze brennt. Die Stimmung auf Weihnachten kommt. Wir waren gestern in Mannheim zum Weihnachtsmarkt. Abends, da im Dunklen die Lämpchen erst richtig zur Geltung kommen und zusammen mit weihnachtlicher Musik für die schöne Atmosphäre sorgen. Auf gleiche Idee sind sehr, sehr viele Menschen gekommen, es war voll, manchmal kein Durchkommen mehr. Am engsten war es natürlich vor den Glühweinständen ( in -zig Variationen) und Fressbuden. Und die Auswahl!! Wir essen in Mannheim immer ein Langos – ungarisches Hefegebäck in Öl gebraten, Jurek mit Puderzucker und ich lieber mit Käse und Knoblauch.
Zwischen den Buden spazierend, oder eher durchschiebend, haben wir plötzlich neben dem White Christmas, noch andere Töne rausgehört. Und wie anders! Bachata, unsere Lieblingsmusik von der Dom. Rep. Da haben wir gleich eine CD, zur Ergänzung unserer karibischen Kollektion, gekauft. Ein paar Hütten weiter haben wir ein schönes Geschenk für eine nahe Person gefunden. Und viel Zeit haben wir wieder an „unseren“ Ständen mit raffinierten Soßen und Gewürzen verbracht. Wir haben ausgiebig probiert, ob die Rezepte vom letzten Jahr wohl gleichgeblieben sind und ich habe auf Brot Orangensenf, Birnen-, Feigensoße und zwanzig andere gekostet, während Jurek sich lieber dem Bärlauch und Peperoni zugetan hat.

WeihnachtsmännerSchmeckt?KindheitstraumTankstelleDie erste TasseWas für eine Kopfbedeckung...Afrikanische Kunst

Schon auf dem Weg zum Markt, habe ich (solidarisch mit dem Fahrer) laut gedacht: „Nach einem Glühwein kann man doch noch fahren, oder?“ Jurek: „Sogar nach zwei, kommt darauf an, auf welcher Seite im Auto man sitzt“. Na… Ich hatte Glück, ich habe rechts gesessen.

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Advent

Dienstag, 25 Nov 2008 @ 21:29

Es weihnachtet immer mehr um uns. Weihnachten – das ist nicht nur die Zeit der Einkäufe, aber auch des Nachdenkens, Erwartung und Vorfreude.
Der Advent wird traditionell und vielseitig gefeiert. Jeder hat zu Hause die Kränze oder Dekoration mit vier Kerzen, schon jedes kleine Kind kann „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…“ aufsagen.
Und spätestens, wenn die letzte Kerze angezündet wird, sollte man alles für die Feiertage bereit haben, Baum,Termine für Besuche, Menu, Geschenke.
In der vorweihnachtlichen Zeit werden viele Weihnachtsfeiern organisiert, meistens diese von der Arbeit – das ist eine nette Form den Mitarbeitern und Kollegen einen Dank auszusprechen. Jurek geht mit seinen Kollegen, und ich werde sogar zwei haben, eine von unserem Büro, ca 40 Mitarbeiter und eine große vom Caritasverband, für alle Sozialstationen aus dem Bezirk, da kommen schon leicht 250 Teilnehmer zusammen. Jedoch haben die Feiern, die wir kennen, nichts gemeinsam mit denen, die man aus amerikanischen Filmen kennt.
Unser BaumIn vielen Städten werden Weihnachtmärkte eingerichtet. Bei uns wird am 6.12. der historische Markt mit Buden und Ständen zugestellt, wo man sich bei Licht und Musik mit Freunden trifft und mindestens Glühwein und heiße Maronen oder Crêpes nimmt oder noch ein Geschenk oder Deko kauft. Es ist schade, dass unser Markt nur einen Tag dauert. Es ist so viel Vorbereitung und manchmal passt einem auch der einzige Termin nicht, da würde man gern am anderen Tag oder auch noch mal gehen. Sehr schöne (und unvergleichbar größer) sind die Märkte in Heidelberg und Mannheim. Wie immer, werden wir mindestens zum einen davon sicher fahren.

In unserem Stadtteil, heppenheimer Weststadt, hat sich seit 5 Jahren ein „lebendiger Adventskalender“ etabliert. Ab 1.12. wird sich täglich an einem Haus eine Gruppe treffen, die zusammen paar Weihnachtslieder singt und ein Gebet spricht, vielleicht bringt jemand eine Gitarre oder Mundharmonika mit, vielleicht stellt die Gastfamilie einen Teller mit Plätzchen bereit oder Kaffee aus der Thermoskanne. In einer Halben Stunde gehen sie wieder auseinander. Am nächsten Tag ist ein anderes Haus dran, die aktuellen Adressen  stehen in der Zeitung und in der Kirche. Der lebendige Adventskalender wird von unserer katholischen Kirche Erscheinung des Herren organisiert, aber eingeladen sind alle, katholisch, evangelisch, groß, klein, mit Tuch oder Turban, Nachbar, Gast und Tourist. Die Kinder bekommen dabei kleine Geschenke oder basteln selbst etwas, damit wird nach und nach der Baum in der Kirche geschmückt. Und wenn der Baum voll ist und die vierte Kerze brennt –

– dann ist Weihnachten, ein Fest der Liebe und des Friedens.

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Ein neuer Exot.

Dienstag, 18 Nov 2008 @ 18:22

Passend zum letzten Thema, haben wir heute in Starkenburger Echo gelesen: in Heppenheim wachsen zwei Kakibäume. Der Eigentümer hat sie vor zehn Jahren gepflanzt, neben anderen Pflanzen aus seiner Heimat – Apulien.
KakiWie man auf dem Bild sieht, ist der Baum voll von Früchten (bekannt auch als Sharon), die jetzt noch in natürlicher Umgebung reifen können, denn sie brauchen dazu Kälte. Im Handel angebotene Kaki ist unreif und sollte zur vollen Geschmacksentwicklung in den Kühlschrank gelegt werden. Ich bin natürlich die angegebene Strasse entlanggefahren, in der Hoffnung, dass die Bäume sichtbar sind, leider wurde ich enttäuscht. Enttäuscht werden sicher nicht die Nachbarn des Hobbygärtners, die vermutlich alle gut mit den Früchten versorgt werden, den die Menge kann eine Familie nicht verbrauchen.

Also, zur Erinnerung – in Heppenheim wachsen: Feigen, Kiwi, Pfirsiche, Bananenstauden (leider ohne reife Bananen, da die Wärme zu kurz ist), viele exotische Bäume (z.B. Palmen, Bambus, Araukarie) und jetzt neu – die Kaki.

Fehlt nur noch das Meeresrauschen, Sand und 365 Tage Sonne. Wir arbeiten daran.

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Frühling im Winter.

Sonntag, 16 Nov 2008 @ 20:22

Wir haben schon den halben November und bereiten uns auf den Winter vor. Schals liegen raus und Mützen ( wir haben nicht mal welche für „gut“, weil wir keine tragen, nur sehr sportliche, für den Wald), Winterreifen sitzen, Streusalz ist da und der Schneeschieber auch. Mit dem Schneeschieber ist es bei uns so: einen Teil von unserem Hauszugang teilen wir uns mit dem Nachbar vom nächsten Haus. Der Nachbar ist ein sehr netter Mensch, aber hat keinen eigenen Schieber und benutzt unseren – dafür schiebt er manchmal unser Teil auch frei. Es ist recht angenehm, noch im Nachthemd beim Kaffee zu sitzen, währen vor der Tür schon schru-schru zu hören ist, deswegen achten wir immer darauf, dass der Schieber bequem steht, damit der Nachbar ihn bloß nicht suchen muss.

Geranien Nicht nur grauer Nebel und Kälte machen sich breit. Auch die Farblosigkeit. Aber bei uns blühen noch viele Blumen vom Sommer, tapfer und ausdauernd: Geranien, Fuchsien, Rosen und natürlich alle herbstlichen Astern und Chrysanthemen.  Wir haben auch paar Spezialisten, die aufblühen, wenn die anderen sich zum Winterschlaf machen.

Winterjasmin Der Winterjasmin ist ein Strauch, der weite Triebe entwickelt, und gern für Zaunbepflanzung genommen wird. Er blüht im Winter, mit kleinen gelben Blümchen, von denen immer nur ein Teil zum Blühen kommt, dadurch reicht die Blütezeit bis Frühling, bei Frost und Schnee, bis er von den Forsythien abgelöst wird.

Der Strauch fäng jetzt an zu blühen, mit Körbchen aus vielen kleinen rosa-weißen Blüten und hält auch bis Frühjahr. Das ist der duftende Schneeball und er kommt aus China.

Den blühenden Exoten – Aralie – habe ich gestern entdeckt, die Blätter benutzt man für Sträuße, aber in Blüte sehe ich ihn zum ersten mal, obwohl ich den Strauch schon seit guten zweit Jahren täglich sehe. Ich werde mal den Eigentümer ansprechen. Ich habe sonst keinen zweiten in Heppenheim gesehen.

Feigen Die Feigen haben sich feige von ihren Blätter entkleidet und versuchen jetzt mit verbliebenen Früchten zu punkten. Umsonst, die können sich jetzt nur noch erkälten. Aber wir haben dieses Jahr sehr viele und besonders gute Feigen gehabt.

Schneeglöckchen Die Schneeglöckchen (Starkenburger Echo vom 13.11.08) versuchen den Winter zu überspringen (vielleicht versuchen wir es auch…). Na, sie werden sich noch wundern und zurück in die Erde – geht nicht mehr. Letztes Jahr haben sie schon Mitte Januar geblüht.

Die Natur zeigt uns, dass uns jeder Tag näher an der Frühling bringt. Nur glauben und geduldig sein: auch aus Gras wird Milch.

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Die fünfte Jahreszeit

Samstag, 15 Nov 2008 @ 9:32

Am 11.11.08 um 11:11 Uhr hat die Zeit des Karnevals angefangen ( regional auch Fasching, und bei uns Fastnacht). Unsere Stadt hat den Zeitpunkt verdiskutiert oder verschlafen. Aber heute, mit drei Tagen Verspätung, dafür pünktlich, wie angesagt um 19:11 wurde die Narrenzeit offiziell eröffnet.
An unserem Fastnachtbrunnen haben sich paar Hundert Fastnachtler versammelt. Das Komitee ist gekommen, die Garde, der Spielmannszug. Der Schirmherr und die Zugmarschalin wurden vorgestellt. Weiter wurde dann im anliegenden Vereinshaus, Gaststätte Kupferkessel gefeiert.

KomiteeRedeHellauFontanne

Die Zahlen 5 und 11 spielen in der Fastnacht eine besondere Rolle, dabei ist die Zahl 11 die eigentliche Narrenzahl.
Bei 5 – wie oben erwähnt – die 5. Jahreszeit,
– Narren stellen Ordnung und Gesetz auf den Kopf und lassen „fünf gerade sein!“
Bei 11 – Bewusste Übertretung der Gesetze – nach dem 10. Gebot kommt das 11. Gebot = Narretei,
– § 11 – eigenes Gesetz des Narrentums,
– 1 neben 1 – Gleichberechtigt mit der Obrigkeit,
– Elferrat – (Komitee) Elf Narren, die so töricht sind, dass einer dem anderen die Wahrheit sagt,
– Elferkappe (Narrenkappe) – Symbol der Gleichheit Aller unter der Narrenkappe,
– 11.11. -Datum zur Vorbereitung der 5.Jahreszeit, um 11:11Uhr (wenn nicht verschlafen wird).
Fastnacht dauert jetzt bis Aschermittwoch. Zuerst läuft alles auf leisen Sohlen, Vorbereitungen, Organisationstreffen, aber die letzten Wochen, nach Drei Könige, auf Hochtouren! Es gibt Maskenbälle (Rosenmontagsball), Sitzungen mit buntem Programm und Büttenreden, die satirisch und gnadenlos jedes soziale, politische, lokale und aktuelle Thema angreifen.
Der Höhepunkt bei uns ist der Fastnachtsumzug, (22.02.09) bei dem bei schönem Wetter sogar 100 000 Zuschauer kommen – wenn man erwähnt, dass Heppenheim 25 000 Einwohner hat, dann ist es ein Erfolg.
Unser Ruf ist ein dreifaches „Helau“!!!
Das Lieblingsgebäck sind die Berliner, in vielfacher Ausführung (bei uns Kräppel).
Der Narr am Brunnen hält uns einen Spiegel vor, wir sollen reinschauen und nachdenken: was sehe ich?
Mehr im Februar.

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Auf den Spuren der Nibelungen.

Samstag, 8 Nov 2008 @ 21:03

Um gestriges Thema zu ergänzen, sind wir heute nach Grasellenbach gefahren, um den anderen Brunnen zu sehen, an dem Siegfried getötet wurde.

GrasellenbachGrasellenbachGrasellenbachGrasellenbach

Schon an der Strasse war die Stelle ausgeschildert und später im Wald haben wir viele Informationstafeln gesehen. „Schon die Nibelungen suchten in mystischer Vorzeit die reizvolle Umgebung von Gras-Ellenbach auf, um dort Bären und Wildschweine zu jagen“ – an den Satz werden wir heute noch denken. Aber die Gegend ist wirklich schön. Wir sind im herbstlichen und mit Blättern bedeckten Wald gegangen, recht steil hoch. Unterwegs haben wir sogar paar Pilze gefunden und obwohl wir nicht auf sammeln eingestellt waren, so sind wir im Wald  „allzeit bereit“, man kann sie doch nicht den Würmern lassen. Wir sind zu einem wunderschönen Ort gekommen, einer kleinen Lichtung, seitlich versteckt vom Weg. Das Wasser plätscherte leise über die Steine, daneben ein Kreuz. Hat sich die Tragödie hier abgespielt? Wir müssen zugeben, dass diese Stelle schöner wäre zum Sterben, als unsere in Heppenheim.

Dem Thema weiter folgend, sind wir noch paar Kilometer weiter, nach Hüttenthal gefahren, zum Lindelbrunnen.

LindelbrunnenLindelbrunnenLindelbrunnen

Natürlich auch ein Siegfriedbrunnen. Beim Abbiegen in den Wald haben wir sofort den bösen Hagen bei Ausführung seiner hinterhältigen Tat erblickt. Hier sind wir wohl richtig. Die Quelle war schon zu sehen und obwohl die Bäume fast blattlos waren, ist die Sonne kaum zu uns vorgedrungen, alles war stark vermoost. Eine eigenartige und geheimnisvolle Atmosphäre war zu spüren. Auch schön zum Sterben.  Ein Schuss ist gefallen. Ach, das sind die Jäger, die wir vorher am Wald gesehen haben. Plötzlich raschelte es im Gebüsch und ein getriebenes Wildschwein rannte in unsere Richtung. Im ersten Moment haben wir still gestanden, noch nicht begriffen: sollen wir uns begeistern, fliehen, fotografieren, oder nach einem Baum suchen, auf den wir es schaffen könnten hoch zu kommen. Schwein, renne um dein Leben! Vielleicht ist der Siegfried hinter dir! Armes Tier, ist etwas weiter im Dickicht verschwunden, vielleicht hat es diesmal noch nicht als Braten geendet. Siegfried ist auch beim Jagen getötet worden. War es ein Zeichen?

Zurück zu Hause, sind wir zum Abschluß, noch zu unserem Siegfriedbrunnen, auch „Brunnen zu zwei Linden“, gegangen.

HeppenheimHeppenheim

Heute wachsen dort sogar schon drei Linden und im Hintergrund kann man unsere Häuser sehen. Aber  leider können wir uns mit Grasellenbach und Lindelbrunnen nicht vergleichen. Wir haben keine Strassenhinweise, keinen  Wald,  Moos, keine Geheimnisse, Wildschweine, sogar kein Wasser. Unsere Quelle ist trocken, liegt an einer Kreuzung (nahe zum Einkaufen, bei Langnese und Toom), und höchstens paar liebende Katzen treffen sich dort nachts. Dafür ist unsere Stelle die wahre! Und jetzt, wo die wichtigen Menschen in Heppenheim an einem neuen Konzept arbeiten, wird es in Zukunft auch schön. Geehrte Herrschaften, vielleicht machen Sie so einen Ausflug, wie wir – wir garantieren Ihnen einen schönen Tag, etwas völlig anderes als die Rathauswände – und schauen Sie sich paar Ideen bei der Konkurenz ab.

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Siegfriedbrunnen.

Freitag, 7 Nov 2008 @ 17:04

Die Nibelungen – jeder kennt sie (weniger persönlich, wohl eher aus Überlieferungen), oder hat schon mal vom tapferen Siegfried gehört. Es gibt Bücher, Oper, Nibelungenlied und – ring, Schatz im Rhein. Wir haben das Glück, dass wir Mitten im Land des legendären Geschehens wohnen und es bei uns auch noch Straßen und Schulen gibt, mit Namen wie Brunhild, Krimhild, Nibelungen. In Heppenheim nimmt die Siegfriedstraße ihr Anfang und zieht sich lange Kilometer in den Odenwald. Vor paar Tagen wurde offiziell der Nibelungensteig eingeweiht, Strecke von 40km, die an Orten der Familientragödie vorbeiführt. Eins davon ist der Siegfriedbrunnen, wo der Held hinterlistig vom Hagen getötet wurde.
Legende ist ein halbes Märchen, manchmal sind die Beschreibungen nicht ganz eindeutig, die Historiker diskutieren. Im Odenwald sind drei Brunnen, und jede Stadt ist überzeugt, den wahren zu haben. Heppenheim auch. Aber unser Brunnen ist eben der richtige und echte. Ja! Vor langer Zeit habe eine Diskussion gelesen und dort wurde erinnert, dass der tote Siegfried nachts nach Worms getragen wurde. Das sind ca. 30km, das ist zu schaffen. Während das trauende Volk aus Grasellenbach 50km im bergischen Gebiet zu bewältigen hätte. Zweifeln wir mal laut, ob sie bis Morgengrauen angekommen wären. 2002, zu 800 Jahren des Nibelungenliedes, ist ein Zug in historischen Trachten und mit Drachen, zu Fuß die Strecke der damaligen Ereignisse gegangen. Sie wurde natürlich an unserem Brunnen begrüßt. Ein Anzeigenvorleser hat die Geschichte von der Rolle vorgetragen, Musik hat die Stimmung und Laugenbrezel mit Bier die Laune gemacht. Und dann sind sie alle, samt Drachen weiter nach Worms gegangen.
Gestern haben wir in der Zeitung (Starkenburger Echo) gelesen, dass die wichtigen Stadtmenschen unseren Siegfriedbrunnen touristisch aufwerten wollen. Gut so. Es ist ein schöner Ort, versteckt unter paar alten Linden und jetzt treffen sich dort eher Menschen, die gern in Gesellschaft und bei gepflegtem Gespräch zusammen ein Bierchen trinken, oder auch zwei.
Was haben wir mit allem zu tun? Der Brunnen liegt ca 150 Meter von uns, und im Sommer,wenn wir nicht schlafen können, dann glauben wir durch offenes Fenster das Stöhnen des sterbenden Siegfrieds oder das jammernde Volk zu hören. Vielleicht ist es aber auch nicht der Siegfried sonder unser schnarchende Nachbar? Wer weiß?

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