Ghetto?

In unserer Nachbarschaft steht ein Hochhaus, ehemaliges Gasthotel der Langnese, Casa Europa, leider seit vielen Jahren leer, gespenstisch und gammelig.
Es hat schon paar Pläne gegeben, abreißen, Altenheim… alles verworfen, keine Finanzierung u.s.w.
Neuerdings haben wir in der Zeitung gelesen, dass die Stadt mit neuen Geldern dort 50 Sozialwohnungen (mit 50-60 m², also keine Großfamilien) errichten will.
Und jetzt passiert!
In die Briefkästen flattert uns ein Schreiben:

Ich gebe gern zu, dass ich dort lieber einen Park mit Bänken um einen audio-visuellen Brunnen hätte.
Jedoch möchten wir dieser Aktion in dieser Form widersprechen!
Hier wird schlechte Stimmung auf Kosten der Schwachen gemacht und die Presse dazu bestellt.
Herr R.H. von der Geschwister-Scholl-Str. hat viel mit seinen Nachbarn über die nahende Gefahr gesprochen. Wir haben in unserem Teil der Siedlung mehr über den Brief geredet und festgestellt, dass „bei uns“ die Meinung anders war.
Und sind wir mal ehrlich, wohnen wir wirklich so vornehm und fein, dass wir wegen benachbarten Sozialbau um unsere Eigentumswerte bangen müssen?
Wir sind zum Pressetreffen gegangen. Herr R.H. hat sogar eine Plakatwand vorbereitet.
Und wir haben unsere Meinung gesagt:
– der Sozialbau ist in der Gesellschaft nötig, es gibt viele Familien mit kleinem Einkommen, die bezahlbares Wohnen brauchen.
– es kann manchmal schneller passieren, als einem lieb ist, dass man von einer Seite zu anderen umziehen muss.
– jeder sollte erst mal vor eigener Tür fegen, denn unser Eigentum wuchert und gammelt und steigert so weder den Wert noch unseren Image.
– soziales oder a-soziales Verhalten muss nicht mit dem Einkommen oder Adresse zusammenhängen. Ist es zB. sozial korrekt, wenn man sich vor eigenen Verpflichtungen drückt?

Und doch hoffen wir, dass die ganze Diskussion unser Zusammenleben nicht beeinträchtigt, denn wir leben hier eigentlich gut und zufrieden und haben eine gute Nachbarschaft. Manche Beziehungen sind näher, manche neutraler – wie immer, wenn viele Familien zusammen leben, hier 37.
Alle Jahre treffen wir uns einmal zum Siedlung-Grillen. Demnächst am 28.08. Es wird sicher wieder schön, das Wetter wurde bestellt und Gesprächsthemen werden uns wohl auch nicht ausgehen.

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Data: Donnerstag, 12 Aug 2010 @ 17:58

Autor: Themengebiet: Aus der Zeitung, Bunt und krumm

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7 Kommentare

  1. 1

    Das Thema bleibt aktuell.
    Heute schreibt ein Leser aus einer umliegenden Nachbarschaft im „Starkenburger Echo“.

  2. 2

    Auf ausdrücklichen Wunsch einer Person, wurde ihr Name aus dem eingescanten Flyer der Aktion entfernt.

    Wir haben vorher schon selbst die Telefonnummer verwischt.

    Ansonsten sollten sich die Organisatoren vorher untereinander einigen, wessen Namen und Informationen aus eigener Initiative in -zig Briefkästen eingeworfen werden.

  3. 3

    Uns erreichte heute ein Brief, mit der Bitte um Korrektur bzw. Berichtigung unseres Artikels, was ich hiermit tue:

    An der Grünpflege beteiligt sich finanziell mindestens ein Eigentümer aus der G-S-Straße. Auch einige, wenige Eigentümer aus der L-O-Straße beteiligen sich an den Kosten nicht.

    Schade, dass sich direkt hier niemand äußern will…

  4. 4

    Herr M. (o.g. Brief, volle Daten sind uns bekannt) fühlt sich verletzt durch unsere Äußerungen und da er sich an vereinbarten Grünpflege beteiligt, wehrt er sich zu Recht. Wir haben niemanden persönlich angesprochen und jegliche persönliche Verletzung liegt uns fern.

    Die ganze Angelegenheit platzt vom Anfang an vor ungerechten Verallgemeinerungen. Oder?

    Lt. Informationen, die wir vom Initiator der Grünpflege haben, beteiligen sich von der G-S nur zwei Häuser an den Kosten. Sowie aus unserer L-O sind vier nicht dabei. Konkrete Namen sind uns nur teilweise bekannt. Die Verärgerung einer Person, die sich zu Unrecht von der Verallgemeinerung betroffen fühlt, können wir nachvollziehen.
    Wir sind doch auch zu dem Treffen gegangen, damit in der Presse nicht allgemein steht: Anwohner der Strassen…

    Bei unserer persönlichen Meinung über a- /soziales Verhalten unabhängig vom  Adresse und  Einkommen, bleiben wir jedoch. Das reicht weit über unsere Siedlung und ich nenne sie „A… mit Diplom“. Jeder von uns kann sicher genug Beispiele aus seiner Erfahrung, Umfeld, Arbeitsbereich nennen. Manche einfache Putzfrau mit Wohngeld hat mehr soziale Kompetenz, als ein Lehrer, Arzt… Oooo!! ich will damit nicht wieder alle Lehrer beleidigen, ich habe hier eine ganz konkrete Person im Kopf! Nein. Zwei!

    Rest steht im Zeitungsartikel, der im Internet nicht nur über unsere Homepage zugänglich ist, sondern auch über http://www.echo-online.de.

    Herr M. ich hoffe damit haben wir ihrem Wunsch entsprochen und weiteren freundlichen Begegnungen steht nichts im Wege.

  5. 5

    Zum zweiten Brief von Herr M. möchten wir hier folgend antworten:

    Herr M., wie Sie lesen können, haben wir interne Informationen aus dem Text rausgenommen. Mögen Sie Recht haben, dass sie nicht ins Internet gehören.
    Wie Herr. R, dass Pressetreffen beendet hat, können wir auch sagen: wir haben mindestens darüber gesprochen. (Vielleicht hilft es doch)

    Die Öffentlichkeit wurde in der Sache nicht von uns geweckt.

    „A…“ kann verschiedene Bedeutungen haben, wie Affe, Außergewöhnlich, Animal, Asozial. Wie natürlich auch das von Ihnen interpretierte und ausgeschriebene Wort.

    Unsere Meinung haben wir sehr allgemein geäußert und es ist uns unbegreiflich, dass Sie sich persönlich angesprochen fühlen.
    Jedoch deswegen  das von Ihnen erwähnte Strafrecht gegen uns anzuwenden, müsste sogar Ihnen schwer fallen.

    Weitere Meinungen möchten wir lieber bei Gläschen Wein austauschen. Die nächste Gelegenheit dazu haben wir am Samstag. Oder schreiben Sie Ihre Kommentare direkt hier.

  6. 6

    Inzwischen haben alle Eigentümer den „Stand der Dinge“ (interne Problematik der Siedlung) samt Namensliste der Beteiligter bekommen.

    Doch einen Namen sehen wir nicht darunter und jetzt verstehen wir die ganze Diskussion (o.g. Briefe) nicht mehr. Oder erst recht?

  7. 7

    Der Artikel hat mich nachdenklich gemacht. Wobei ich allerdings schon finde, dass Gründe wie Armut und Stress auch im Alter (mehr und mehr) einen gewissen Ausschlag geben können zur Flasche zu greifen. In jedem Fall ist die Aussage “man kann noch so viel vom leben haben” natürlich nur zu unterstreichen!!! Zudem verkraftet ein junger Körper wahrscheinlich eher ein Glas mehr als ein älterer Mensch. Ein gewisser Warnschuss darf hier also ruhig erfolgen…

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