Die Anstalt


Am Stadtrand, in Richtung Heidelberg, unterhalb von den Weinbergen (Eckweg), hinter einer Mauer steht ein großes Gebäudekomplex – es ist das alte psychiatrische Krankenhaus.

Es stammt aus dem 1866 Jahr und wurde 2014 endgültig verlassen.

Das neue Krankenhaus steht in der Nachbarschaft vom Kreiskrankenhaus und dieses Jahr hat es vollständig die Arbeit übernommen. Der Umzug wurde in Etappen über 2 Jahre durchgeführt.

Und hier entstehen in Zukunft neue Wohnungen.
Doch lange Zeit war es nicht klar, was mit den Häusern passiert. Das Komplex steht unter Denkmalschutz, also bleibt erhalten. Aber wofür?

Ich kenne etwas das Gelände, weil ich hier in der Krankenpflegeschule zu tun hatte und einmal war ich wegen einer Patientin drin. Unsere Tochter hat hier Praktikum vom Studium gehabt.
Jurek war hier nie, obwohl wir von den Weinbergen oft runter geschaut haben.
Das Gelände ist riesig, die Gebäuden stehen im alten Park. Rundum ist eine Mauer, aber es gibt keine Tore – die Eingänge sind offen. Doch verbliebenen Pfosten zeugen davon, dass früher schon Tore waren.

Jetzt ist alles leer. Irgendwann wird ein Bauzaun stehen und alles wird nie wieder, wie es mal war.
Also haben wir beschlossen uns das mal näher anzusehen.

Leer, gespenstisch, still… Wie eine Geisterstadt…
Viele obere Fenster stehen leicht auf, sowie alle Innentüren. Man kann durch die Fenster in die Zimmer, Flure rein schauen. Das ist sicher wegen der Lüftung, denn wer weiß wie lange alles noch dauern wird?
Außen ist alles zu. Hier und da brennt sogar Licht – in einem Fahrstuhl in der Ecke, in einem Keller, wo auch Maschinen arbeiten.

Das Krankenhaus wurde 1866 als “Heil- und Pflegeanstalt” gebaut. Die Bezeichnung “Anstalt” fungiert  unter den Älteren bis heute. Zu “unserer Zeit” also seit 1990 wurde der Name öfters geändert: Psychiatrisches Krankenheus Heppenheim (PKH), Zentrum für soziale Psychiatrie (ZSP).
Aktuell heißt es Vitos – Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Doch die Alten kennen oft die neuen Namen oder die Abkürzungen nicht. Aber “die Anstalt” kennt jeder. Die Jungen benutzen auch oft flapsig “die Psyche”, was auch nicht besser als die Anstalt ist.

Das Krankenhaus hat auch ungute Geschichte hinter sich.
1933 wurde es von Nazis übernommen, die hier systematische Vernichtung der Kranken und Behinderten durchgeführt haben.
1941 war hier Lazarett für Kriegsgefangene eingerichtet.
Und 1945 residierten hier Amerikaner. Es wurde auch Militärgefängnis und Krankenhaus für Opfer des Faschismus untergebracht.

2002 gab es große Pläne mit Ausbau um Forensik. Da haben sich jedoch die Stadtbewohner mit dem damaligen Bürgermeister Obermayr stark dagegen gestellt (wir auch). Und wir haben gewonnen!! Wir haben gewonnen, weil wir keine Verbrecher in der Stadt wollten. Einer der Gegenargumente war damals, dass wir 2 Km von der Landesgrenze liegen, was bei “entfliehen” problematisch sein könnte, da Ordnungsorgane nur bis zu Grenze aktiv sein dürfen.

Zum Schluss unsere Verbindung zum psychiatrischen Krankenhaus: unsere Siedlung, 40 Reihenhäuser, steht auf dem früheren Gelände des Bauernhofs von der “Anstalt”. Hier, wo wir seit 18 Jahren leben, waren früher Kühe, Schweine, Felder. Es gab auch einen Hofladen – da habe ich manchmal eingekauft.

Den Bauernhof gibt es nicht mehr.
Die Gärtnerei gegenüber vom Krankenhaus arbeitet auch seit langem nicht mehr. Da haben viele Leute Blumen, Gestecke gekauft.

Die Zeit vergeht und in paar Jahren wird es da neues Leben geben. Und die Einwohner werden sagen, dass sie auf den Gelände der früheren  Anstalt, Psyche leben. Nur wegen Nachbarschaft wird es vermutlich nie Beschwerden geben, denn sie sind besonders still – hinter der Mauer ist ein Friedhof.

Bild 1 – Haupteingang
Bild 2 – frühere Anmeldung, und Eingangshalle
Bild 7 – die Kapelle (links). Daneben Eingang zum Veranstaltungsraum “Am Eckweg” – der weiterhin vermietet wird, allerdings höre ich immer wieder, dass es sehr kalt ist, und Gäste manchmal sogar mit Jacken sitzen.
Bild 8 – die Krankenpflegeschule, mit Wohnbereich
Bild 10 – die Haupteinfahrt (mit verbliebenen Torpfosten). Auf der anderen Straßenseite ist das Haus mit Dienstwohnungen, und dahinter war die Gärtnerei.

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Data: Donnerstag, 1 Jan 2015 @ 20:31

Autor: Themengebiet: Kurios und besonders

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Ein Kommentar

  1. 1

    Die Bauzäune stehen schon. Es gibt keinen Zutritt mehr. Es tut sich was.