Beitrags-Archiv für die Kategory 'Bunt und krumm'

Federweißer.

Samstag, 4 Okt 2008 @ 22:23

Zur Zeit ist in unserer Gegend die Weinlese. Traktoren stehen mit ihren vollen Anhängern zur Winzergenossenschaft an. Viele Leute nehmen Urlaub, um auf den eigenen Weinbergen (und bei Freunden und Familie) mit der Arbeit zeitig fertig zu werden.

Und wir?  Wir trinken den Federweißen. Das ist ein Produkt zwischen dem Most und Wein, wo der Zucker schon in Alkohol und Kohlensäure aufgespalten ist, dank Hefen, die dem Federweißen die milchige Trübung geben. Der Alkohol und Zuckergehalt sind je nach Lagerzeit und Rebsorte unterschiedlich.  Er wird in Gläsern zu 0,25L getrunken, schmeckt spritzig und süffig. Der recht niedrige Alkoholgehalt kumuliert sich aber in mehreren Gläsern unberechenbar. Ruck-zuck wackelt der Kopf.

Der Federweißer wird an mehreren Stellen in der Stadt und Umgebung verkauft, in Flaschen oder in 2- oder 5L Kanistern, aber immer offen (undicht verschlossen), da er noch gärt, was manchmal den Transport etwas erschwert. Und natürlich in allen Lokalen und Gaststätten.

Neben dem Geschmack, rechnen wir uns die reinigende Wirkung der Hefe hoch an und machen die „Hefekur“. Gut für die Haut und… Darm. Manchmal bezahlt man den Appetit  auf den leckeren Trunk mit einer Grundsanierung des Darmes, die bis Weihnachten reicht. Aber bis nächstes Jahr ist es wieder vergessen und der Federweißer schmeckt wieder.

Dazu schmeckt am besten ein Stück Zwiebelkuchen (in allen Variationen, dick, dünn, mit Speck, Nüssen, z.B.: mit Walnüssen – das ist meine Spezialität). Hier kann wohl jeder den Zwiebelkuchen machen. Dazu 2 Liter Federweißen und die Party kann steigen.

Prost und guten Appetit.

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Sankt Katharina

Donnerstag, 25 Sep 2008 @ 20:19

Im zentralen Punkt der Stadt wurde neue Senioren Residenz Sankt Katharina eröffnet. Im Gegensatz zu dem vorherigen Schandfleck, heruntergekommenen Häusern, die den Augen weh getan haben (obwohl in allen Jahren in Heppenheim haben wir uns so daran gewöhnt, dass wir sie oft nicht mehr gesehen haben), steht jetzt dort ein schönes Gebäude, mit angepasster Architektur. Wenn man heute über die Kreuzung fährt, sieht man Sauberkeit und Leben, hier brennt Licht, da steht eine Alte Frau im Fenster – vielleicht schaut sie auf die Strasse, oder wartet auf Besuch…

Am Sonntag waren wir zum „Tag der offenen Tür“ und, wie viele Interessierte und Neugierige, wollten auch wir uns die Stadtneuigkeit anschauen. Wir haben Bekannte getroffen, meine Arbeitskolleginnen, Familien von Patienten, Nachbarn. Leider waren die Gruppen sehr groß und man hat nicht alles von den Erklärungen mitgekriegt. Aber hier und da wiederholten sich in Gesprächen die Gedanken: man könnte fast auf das Alter neidisch werden. Das Haus ist sehr geschmackvoll eingerichtet. Die Senioren werden überwiegend in Gruppen und „betreutem Wohnen“ versorgt. Die Gruppenräume sind farblich betonnt, wobei die Architekten mutig mit der Farbe gepinselt haben. Sie haben Wohnzimmer und Gemeinschaftsräume zB. in Rot oder Apfelgrün geschaffen. Ich weiß nicht, ob man sich die Gruppe nach eigenem Farbgeschmack aussuchen kann, vielleicht würde sich jemand, der kein Grün mag,  in der Blauen Gruppe wohler fühlen… Alle Zimmer (1-2 Pers.) sind natürlich mit behindertengerechtem Badezimmer ausgestattet, aber es gibt auch große Bäder mit HighTec-Wannen, mit riesigem Spiegel, Ratansessel und Stehregal, der jetzt mit Blumen dekoriert war, aber ich weiß, dass später dort Cremen, Salben, Unterlagen und Windeln liegen werden, denn die Bewohner werden gleiche Altersbedürfnisse und Defizite haben, wie die in anderen Altenhäusern und unser Patienten zu Hause.

Es gibt auch kleine 2-Zimmer- Apartments, für die-noch-Rüstigen. Eine alte Dame, deren Mann ich vor vielen Jahren gepflegt habe und mit der ich mich immer endlos verquatsche, wenn ich sie mal treffe, zieht dort ein und hat mich eingeladen. Vielleicht werde ich sie auch mal besuchen, aus Sympathie und Neugier.

Im Erdgeschoss ist eine Cafeteria in Rot und eine Longe in Weiß, zum Verweilen, Lesen und Austausch von lokalen und haus nahen Neuigkeiten.

Aber wohl die größte Attraktion von Sankt Katharina ist der Dachgarten, mit Atrium (auch zum Gärtnern), vielen überdachten Ecken zum Sitzen, Schachfeld und unbegrenztem Blick auf die Stadt.

Sankt KatharinaDachgartenDachgartenDachgartenFrüstücksraum in GrünBlaues WohnzimmerCafe

Anfangs hat man Bedenken gehabt wegen dem Standort, so mitten in der Stadt, an der größten Kreuzung. Aber für die Senioren ist es ein Gewinn. Ein Park ist zwar grün und frisch, aber auch ruhig, und das Vögelchen kann  mancher auch nicht mehr sehen und hören. Hier ist Fussgängerzone vor Augen mit Geschäften, Menschen, Trubbel, lebendiger Verkehr auf der Strasse. Und zum Fastnachumzug sitzen sie in der ersten Reihe. Und wie!!!

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Am Ende der Welt.

Mittwoch, 17 Sep 2008 @ 14:06

Manchmal verlassen wir unsere Stadt, und das sogar gern, denn Urlaub ist Urlaub! Neben Wanderschuhen, Stöcken und Rucksäcken, haben wir auch unsere blauen T-Shirt`s eingepackt.

Wir waren in Osttirol in Hinterbichl. Das ist am Ende der Welt (aber nicht am A… der Welt)!! Hinter unserem Hotel waren noch paar Häuser und ca ein Kilometer Strasse, zum letzten Parkplatz. Und dann ist Ende. Nichts. Nur noch Berge und Berge, weiter geht es nur noch zu Fuß und nur noch bergauf. Wir waren schon zum zweiten mal dort und fühlten wir uns wieder gut und wie zu Hause, dieselbe herzliche Atmosphäre, der selbe Tisch, die selben Gesichter, das selbe Bier. Obwohl die Wirtsfamilie vor paar Wochen von einem tragischen Bergunfall getroffen wurde, hat sie für uns, Gäste, immer ein Lächeln, gutes Wort und Interesse gehabt. Nächstes Jahr werden wir wieder dorthin fahren, und vielleicht rote T-Shirt dabei haben, denn 2009 wird bei „Heppenheim zeigt Farbe“ die nächste Phase in rot sein.

Und was war in Heppenheim in der Zeit?

1. Ein neues Altenheim Sankt Katharina wurde eröffnet. Ein schönes Gebäude präsentiert sich jetzt im zentralsten Knoten der Stadt, wo seit Jahren (seitdem wir hier wohnen) hässliche, heruntergekommene, verwahrloste Häuser waren – kein Grund zum Stolz. Aber dafür jetzt!

2. Formel 1: Sebastian Vettel ist neuer Schumacher! Hej! Das ist UNSER Sebastian! Bei solchen Gelegenheiten gibt man gern an und schmückt sich mit fremden Federn. Eben! Wir auch: unsere Tochter kennt gut seine Schwester (und wir auch ein bißchen). So!

3. Der Höhepunkt dieses Jahres „Heppenheim zeigt Farbe“ ist angelaufen. Ganze Woche werden in der Stadt verschiedene Veranstaltungen und Aktionen angeboten. Man könnte sagen:Heppenheim ist blau.

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