„Brennessel“ und „Coccola“


Hemsbach, nicht weit hinter der hessischen Grenze, in Baden-Württemberg, 10 km von Heppenheim, hat ein altes kleines Kino „Brennessel„.
Im Eingang altes Buffet, riesiger altmodischer Tisch mit verschiedenen Stühlen, wo wartende sich bei Cola oder Bier setzen können, knarrende Dielen. Zwei kleine Kinosäle für jeweils 60-100 Zuschauer, bequeme rote Plüschsessel, auch Sofas für 2, in der Ecke ein Piano, quietschender Vorhang – nichts von der lauten, überfüllten Atmosphäre der modernen Kinos.
Das Kino spielt Kurzfilme, Diskussionsthemen, Preisfilme – so bisschen „andere“ als die Massen-Kassen-Produktionen.
Ich habe schon öfters das Programm in der Hand gehabt, etwas Interessantes gefunden, aber es hat sich nicht ergeben hinzugehen.
Am Freitag waren wir mit Freunden da und haben „Polnische Ostern“ gesehen.
Im Saal haben so 20 Gäste Platz genommen, wo sie wollten.
Der Film – eine Komödie über Vorurteile, Unsicherheiten, zwei Kulturen und Mentalitäten. Die Geschichte war einfach: ein deutscher Opa muss, nach dem Tod seiner Tochter, die Enkelin zum polnischen Vater und seiner Familie nach Tschenstochau (Częstochowa) geben. Um dem Jugendamt Beweise zu liefern, dass es dem Kind dort schlecht geht und es in armen Verhältnissen aufwachsen muss, macht er sich mit Kamera auf den Weg.
Ein schöner Film, ohne große Aktion, Dramatik, ohne tolle Musik, technisch manchmal schwach – aber einfach nett, lustig und auf jeden Fall sehenswert.
Da nicht alle polnische Sätze auf deutsch übersetzt waren und manche Schriften oder Situationen nur Polen verständlich sein konnten, hat man nach Lachen erkannt, wer von den Zuschauern polnische Wurzel hatte -die meisten.
Nur eine Szene mit Taufe in der Küche, über einer Schüssel, ohne Pfarrer – das haben nicht mal wir verstanden. Ob es an der Nähe zu Schwarzen Madonna gelegen hat, dass solche Taufe gültig wäre?

Der schönen lauen Abend haben wir, zurück aus dem „Ausland“, auf dem Heppenheimer Großer Markt, beim Spanier „Empanada“ verbracht. Die Knoblauchbrote und dicke Bohnen haben wir nicht so ganz wegen Hunger gebraucht, aber wegen der Lust.
Und die Lust wollten wir noch mit Eis auffüllen – gleich um die Ecke, in der Amtsgasse, wurde zum Weinmarkt eine neue Eisdiele eröffnet. „Coccola“ – mal schauen.
Na… Eiskugel zu 80 Cent – da muss das Eis aber verdammt gut schmecken.
Ja, Mango hat nach Mango geschmeckt, Kaffee nach echtem Kaffee. Lecker. Das Lokal ist klein, noch etwas nackig, aber vielleicht entwickelt es sich noch.
Und am Samstag morgens haben wir in Starkenburger Echo einen großen Artikel über „Coccola“ gelesen – der Eigentümer macht sein Eis nach der Arbeit als Manager in Frankfurter Seniorenheimen und die Prozedur hat er in einem Seminar gelernt. Bei der Produktion werden keine Fertigpulver, künstliche Aromen und Zusätze benutzt, nur natürliche Zutaten. Acha, Handkunstwerk hat eben seinen Preis. Im Winter will man dort Schokolade machen.
Hoffen wir, dass die Idee sich hält und entwickelt und Heppenheim um eine Spezialität reicher wird.

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Data: Sonntag, 17 Jul 2011 @ 14:33

Autor: Themengebiet: Bunt und krumm, In der Umgebung

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