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Frühling im Winter.

Sonntag, 16 Nov 2008 @ 20:22

Wir haben schon den halben November und bereiten uns auf den Winter vor. Schals liegen raus und Mützen ( wir haben nicht mal welche für „gut“, weil wir keine tragen, nur sehr sportliche, für den Wald), Winterreifen sitzen, Streusalz ist da und der Schneeschieber auch. Mit dem Schneeschieber ist es bei uns so: einen Teil von unserem Hauszugang teilen wir uns mit dem Nachbar vom nächsten Haus. Der Nachbar ist ein sehr netter Mensch, aber hat keinen eigenen Schieber und benutzt unseren – dafür schiebt er manchmal unser Teil auch frei. Es ist recht angenehm, noch im Nachthemd beim Kaffee zu sitzen, währen vor der Tür schon schru-schru zu hören ist, deswegen achten wir immer darauf, dass der Schieber bequem steht, damit der Nachbar ihn bloß nicht suchen muss.

Geranien Nicht nur grauer Nebel und Kälte machen sich breit. Auch die Farblosigkeit. Aber bei uns blühen noch viele Blumen vom Sommer, tapfer und ausdauernd: Geranien, Fuchsien, Rosen und natürlich alle herbstlichen Astern und Chrysanthemen.  Wir haben auch paar Spezialisten, die aufblühen, wenn die anderen sich zum Winterschlaf machen.

Winterjasmin Der Winterjasmin ist ein Strauch, der weite Triebe entwickelt, und gern für Zaunbepflanzung genommen wird. Er blüht im Winter, mit kleinen gelben Blümchen, von denen immer nur ein Teil zum Blühen kommt, dadurch reicht die Blütezeit bis Frühling, bei Frost und Schnee, bis er von den Forsythien abgelöst wird.

Der Strauch fäng jetzt an zu blühen, mit Körbchen aus vielen kleinen rosa-weißen Blüten und hält auch bis Frühjahr. Das ist der duftende Schneeball und er kommt aus China.

Den blühenden Exoten – Aralie – habe ich gestern entdeckt, die Blätter benutzt man für Sträuße, aber in Blüte sehe ich ihn zum ersten mal, obwohl ich den Strauch schon seit guten zweit Jahren täglich sehe. Ich werde mal den Eigentümer ansprechen. Ich habe sonst keinen zweiten in Heppenheim gesehen.

Feigen Die Feigen haben sich feige von ihren Blätter entkleidet und versuchen jetzt mit verbliebenen Früchten zu punkten. Umsonst, die können sich jetzt nur noch erkälten. Aber wir haben dieses Jahr sehr viele und besonders gute Feigen gehabt.

Schneeglöckchen Die Schneeglöckchen (Starkenburger Echo vom 13.11.08) versuchen den Winter zu überspringen (vielleicht versuchen wir es auch…). Na, sie werden sich noch wundern und zurück in die Erde – geht nicht mehr. Letztes Jahr haben sie schon Mitte Januar geblüht.

Die Natur zeigt uns, dass uns jeder Tag näher an der Frühling bringt. Nur glauben und geduldig sein: auch aus Gras wird Milch.

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Die fünfte Jahreszeit

Samstag, 15 Nov 2008 @ 9:32

Am 11.11.08 um 11:11 Uhr hat die Zeit des Karnevals angefangen ( regional auch Fasching, und bei uns Fastnacht). Unsere Stadt hat den Zeitpunkt verdiskutiert oder verschlafen. Aber heute, mit drei Tagen Verspätung, dafür pünktlich, wie angesagt um 19:11 wurde die Narrenzeit offiziell eröffnet.
An unserem Fastnachtbrunnen haben sich paar Hundert Fastnachtler versammelt. Das Komitee ist gekommen, die Garde, der Spielmannszug. Der Schirmherr und die Zugmarschalin wurden vorgestellt. Weiter wurde dann im anliegenden Vereinshaus, Gaststätte Kupferkessel gefeiert.

KomiteeRedeHellauFontanne

Die Zahlen 5 und 11 spielen in der Fastnacht eine besondere Rolle, dabei ist die Zahl 11 die eigentliche Narrenzahl.
Bei 5 – wie oben erwähnt – die 5. Jahreszeit,
– Narren stellen Ordnung und Gesetz auf den Kopf und lassen „fünf gerade sein!“
Bei 11 – Bewusste Übertretung der Gesetze – nach dem 10. Gebot kommt das 11. Gebot = Narretei,
– § 11 – eigenes Gesetz des Narrentums,
– 1 neben 1 – Gleichberechtigt mit der Obrigkeit,
– Elferrat – (Komitee) Elf Narren, die so töricht sind, dass einer dem anderen die Wahrheit sagt,
– Elferkappe (Narrenkappe) – Symbol der Gleichheit Aller unter der Narrenkappe,
– 11.11. -Datum zur Vorbereitung der 5.Jahreszeit, um 11:11Uhr (wenn nicht verschlafen wird).
Fastnacht dauert jetzt bis Aschermittwoch. Zuerst läuft alles auf leisen Sohlen, Vorbereitungen, Organisationstreffen, aber die letzten Wochen, nach Drei Könige, auf Hochtouren! Es gibt Maskenbälle (Rosenmontagsball), Sitzungen mit buntem Programm und Büttenreden, die satirisch und gnadenlos jedes soziale, politische, lokale und aktuelle Thema angreifen.
Der Höhepunkt bei uns ist der Fastnachtsumzug, (22.02.09) bei dem bei schönem Wetter sogar 100 000 Zuschauer kommen – wenn man erwähnt, dass Heppenheim 25 000 Einwohner hat, dann ist es ein Erfolg.
Unser Ruf ist ein dreifaches „Helau“!!!
Das Lieblingsgebäck sind die Berliner, in vielfacher Ausführung (bei uns Kräppel).
Der Narr am Brunnen hält uns einen Spiegel vor, wir sollen reinschauen und nachdenken: was sehe ich?
Mehr im Februar.

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Auf den Spuren der Nibelungen.

Samstag, 8 Nov 2008 @ 21:03

Um gestriges Thema zu ergänzen, sind wir heute nach Grasellenbach gefahren, um den anderen Brunnen zu sehen, an dem Siegfried getötet wurde.

GrasellenbachGrasellenbachGrasellenbachGrasellenbach

Schon an der Strasse war die Stelle ausgeschildert und später im Wald haben wir viele Informationstafeln gesehen. „Schon die Nibelungen suchten in mystischer Vorzeit die reizvolle Umgebung von Gras-Ellenbach auf, um dort Bären und Wildschweine zu jagen“ – an den Satz werden wir heute noch denken. Aber die Gegend ist wirklich schön. Wir sind im herbstlichen und mit Blättern bedeckten Wald gegangen, recht steil hoch. Unterwegs haben wir sogar paar Pilze gefunden und obwohl wir nicht auf sammeln eingestellt waren, so sind wir im Wald  „allzeit bereit“, man kann sie doch nicht den Würmern lassen. Wir sind zu einem wunderschönen Ort gekommen, einer kleinen Lichtung, seitlich versteckt vom Weg. Das Wasser plätscherte leise über die Steine, daneben ein Kreuz. Hat sich die Tragödie hier abgespielt? Wir müssen zugeben, dass diese Stelle schöner wäre zum Sterben, als unsere in Heppenheim.

Dem Thema weiter folgend, sind wir noch paar Kilometer weiter, nach Hüttenthal gefahren, zum Lindelbrunnen.

LindelbrunnenLindelbrunnenLindelbrunnen

Natürlich auch ein Siegfriedbrunnen. Beim Abbiegen in den Wald haben wir sofort den bösen Hagen bei Ausführung seiner hinterhältigen Tat erblickt. Hier sind wir wohl richtig. Die Quelle war schon zu sehen und obwohl die Bäume fast blattlos waren, ist die Sonne kaum zu uns vorgedrungen, alles war stark vermoost. Eine eigenartige und geheimnisvolle Atmosphäre war zu spüren. Auch schön zum Sterben.  Ein Schuss ist gefallen. Ach, das sind die Jäger, die wir vorher am Wald gesehen haben. Plötzlich raschelte es im Gebüsch und ein getriebenes Wildschwein rannte in unsere Richtung. Im ersten Moment haben wir still gestanden, noch nicht begriffen: sollen wir uns begeistern, fliehen, fotografieren, oder nach einem Baum suchen, auf den wir es schaffen könnten hoch zu kommen. Schwein, renne um dein Leben! Vielleicht ist der Siegfried hinter dir! Armes Tier, ist etwas weiter im Dickicht verschwunden, vielleicht hat es diesmal noch nicht als Braten geendet. Siegfried ist auch beim Jagen getötet worden. War es ein Zeichen?

Zurück zu Hause, sind wir zum Abschluß, noch zu unserem Siegfriedbrunnen, auch „Brunnen zu zwei Linden“, gegangen.

HeppenheimHeppenheim

Heute wachsen dort sogar schon drei Linden und im Hintergrund kann man unsere Häuser sehen. Aber  leider können wir uns mit Grasellenbach und Lindelbrunnen nicht vergleichen. Wir haben keine Strassenhinweise, keinen  Wald,  Moos, keine Geheimnisse, Wildschweine, sogar kein Wasser. Unsere Quelle ist trocken, liegt an einer Kreuzung (nahe zum Einkaufen, bei Langnese und Toom), und höchstens paar liebende Katzen treffen sich dort nachts. Dafür ist unsere Stelle die wahre! Und jetzt, wo die wichtigen Menschen in Heppenheim an einem neuen Konzept arbeiten, wird es in Zukunft auch schön. Geehrte Herrschaften, vielleicht machen Sie so einen Ausflug, wie wir – wir garantieren Ihnen einen schönen Tag, etwas völlig anderes als die Rathauswände – und schauen Sie sich paar Ideen bei der Konkurenz ab.

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Siegfriedbrunnen.

Freitag, 7 Nov 2008 @ 17:04

Die Nibelungen – jeder kennt sie (weniger persönlich, wohl eher aus Überlieferungen), oder hat schon mal vom tapferen Siegfried gehört. Es gibt Bücher, Oper, Nibelungenlied und – ring, Schatz im Rhein. Wir haben das Glück, dass wir Mitten im Land des legendären Geschehens wohnen und es bei uns auch noch Straßen und Schulen gibt, mit Namen wie Brunhild, Krimhild, Nibelungen. In Heppenheim nimmt die Siegfriedstraße ihr Anfang und zieht sich lange Kilometer in den Odenwald. Vor paar Tagen wurde offiziell der Nibelungensteig eingeweiht, Strecke von 40km, die an Orten der Familientragödie vorbeiführt. Eins davon ist der Siegfriedbrunnen, wo der Held hinterlistig vom Hagen getötet wurde.
Legende ist ein halbes Märchen, manchmal sind die Beschreibungen nicht ganz eindeutig, die Historiker diskutieren. Im Odenwald sind drei Brunnen, und jede Stadt ist überzeugt, den wahren zu haben. Heppenheim auch. Aber unser Brunnen ist eben der richtige und echte. Ja! Vor langer Zeit habe eine Diskussion gelesen und dort wurde erinnert, dass der tote Siegfried nachts nach Worms getragen wurde. Das sind ca. 30km, das ist zu schaffen. Während das trauende Volk aus Grasellenbach 50km im bergischen Gebiet zu bewältigen hätte. Zweifeln wir mal laut, ob sie bis Morgengrauen angekommen wären. 2002, zu 800 Jahren des Nibelungenliedes, ist ein Zug in historischen Trachten und mit Drachen, zu Fuß die Strecke der damaligen Ereignisse gegangen. Sie wurde natürlich an unserem Brunnen begrüßt. Ein Anzeigenvorleser hat die Geschichte von der Rolle vorgetragen, Musik hat die Stimmung und Laugenbrezel mit Bier die Laune gemacht. Und dann sind sie alle, samt Drachen weiter nach Worms gegangen.
Gestern haben wir in der Zeitung (Starkenburger Echo) gelesen, dass die wichtigen Stadtmenschen unseren Siegfriedbrunnen touristisch aufwerten wollen. Gut so. Es ist ein schöner Ort, versteckt unter paar alten Linden und jetzt treffen sich dort eher Menschen, die gern in Gesellschaft und bei gepflegtem Gespräch zusammen ein Bierchen trinken, oder auch zwei.
Was haben wir mit allem zu tun? Der Brunnen liegt ca 150 Meter von uns, und im Sommer,wenn wir nicht schlafen können, dann glauben wir durch offenes Fenster das Stöhnen des sterbenden Siegfrieds oder das jammernde Volk zu hören. Vielleicht ist es aber auch nicht der Siegfried sonder unser schnarchende Nachbar? Wer weiß?

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Sebastian

Montag, 3 Nov 2008 @ 21:18

Die Formel 1 hat viele heiße Anhänger. Am Sonntag konnten sie ein tolles Rennen schauen, das bis letzte Sekunden spannend und überraschend war. Die Sportfreunde sind auf ihre Kosten gekommen. Ich gehöre nicht zu dieser Gruppe und sehe die Rennfahrten nicht. Aber in Heppenheim wächst das Interesse und sogar solche wie ich schnappen hier und da Informationen über Rennen auf und schauen morgens in das Sportteil rein. Denn wir kennen alle den Namen Sebastian Vettel, 21 J. Nach vielen anderen guten Rennen, hat er in Grand Prix Italien in Monza gewonnen, als jüngster in der Geschichte der Formel 1. Jetzt hat er die Saison mit 35 Punkten, als Achter der WM, abgeschlossen. Man muss den Sport nicht mögen, um in den Berichten den Namen immer rauszuhören und mit höchstem Respekt zuzugeben, dass es eine gewaltige Leistung ist und die beste lebendige Werbung für unsere Stadt.

Das ist der Stolz und der Lokalpatriotismus: der Junge ist doch aus Heppenheim! Man kann Bekannten erzählen z.B: dass Sebastian auf gleichem Gymnasium Abi gemacht hat, wie ich (keine Kunst – wir haben nur ein G.), dass seine Mutter bei mir Brötchen kauft, dass sein Vater mir die Tür gemacht hat (hat Schreinerei), dass seine Schwester heute an der Kasse bei TOOM vor mir gestanden hat, dass der Bruder gestern Bild-Zeitung gekauft hat (oder Unterhemd)… Oder das Beste: er war da, ich habe ihn gesehen! Alles ist möglich, denn Heppenheim ist eine kleine und sehr! übersichtliche Stadt. Sebastian Vettel wohnt nicht mehr hier, er ist jetzt in Schweiz und die ganze Welt ist seine Arena. Aber eine Information zu Person bleibt: dass er  aus Heppenheim kommt.

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Zu Besuch beim Riesen.

Sonntag, 26 Okt 2008 @ 20:36

Als Ergänzung zum gestrigen Spaziergang, waren wir heute auf der gegenüber liegenden Seite von Lautertal, wo bei Hohenstein der legendäre zweite Riese gewohnt hat. Zwar sind schon paar Milliönchen Jahre vergangen und heute bewirft sich keiner mehr mit Steinen, aber wir wollten die letzte Spur vom ihm sehen, den Hohenstein.
Mitten im kleinen Wäldchen erhebt sich plötzlich aus der Erde ein einziger riesiger Felsmassiv. Faszinierend und einladend zum Klettern. Der Klettersport wird dort intensiv betrieben, daher auch der Nebenname – der Kletterfelsen. Heute konnten wir auch einen Mann dabei beobachten. Leider ist im Sommer ein tragischer Unglück passiert, ein junger Sportler ist tödlich abgestürzt.

Jurek hat nicht genug Kraft gehabt, um Steine zum Felsenmeer zu werfen, aber er hat mindestens versucht den Koloss in die Richtung zu bewegen. Auch ohne Erfolg. Aber auf dem Rückweg hat er einen schönen Pilz gefunden. Ich habe später noch einen Steinpilz entdeckt – und Jurek hat ihn mit viel Körpereinsatz und Engagement von der steilen Stelle geholt. In der Gegend wachsen viele Eßkastanienbäume. Große und Kleine haben dort die Maronen gesammelt, denn heiß aus dem Backofen, sind sie eine leckere Herbstnascherei.

Zufrieden, sind wir zum Hofgut Hohenstein zum Kaffee gegangen. Frühere Hofgebäuden wurden umgebaut und heute kann man im alten Kuhstall gut essen und trinken (zu christlichen Preisen: ein großes Stück vom sehr leckeren Bienenstich, Kaffee und Hefeweizen – 6,80€). Und wer Abenteuer sucht, kann im Heuboden übernachten. Wie die Bilder auf der Homepage zeigen, passt in eine mit Heu gefüllte Liegewiese, wohl eine ganze Busgruppe.

Hohenstein erhebt sichIch werde ihn verschiebenKlettererEin PäuschenMeins!Hofgut HohensteinHofgut HohensteinBlick von der Loge

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Felsenmeer

Samstag, 25 Okt 2008 @ 22:38

Bei wunderschönem Herbstwetter – blauer Himmel, keine Wolke, in der Sonne locker über 20 Grad, war es schwer zu Hause zu sitzen. Wir wollten nicht gegen den Zwang ankämpfen und sind einfach losgefahren. Nach Reichenbach (Lautertal), ca 15 km von Heppenheim, zum Felsenmeer.
Eine attraktive Formation, ein Naturspiel – mitten im Wald erstreckt sich ein gewaltiger Steinhaufen.
Laut Legende waren dort zwei Riesen, einer am Felsberg, der andere am Hohenstein, die sich in Wut mit Felsbrocken beworfen haben. Der am Hohenstein hat mehr Wurfmaterial gehabt und hat den anderen unter den Steinen begraben. Bis heute hört man manchmal sein Jammern unter den Felsen.
Wir haben kein Weinen gehört. Vielleicht lag es an den vielen laut rauschenden Blättern unter unseren Füßen. Aber der Spaziergang, gute 1,5 Stunde Marsch, unterbrochen nur mit Momenten für Fotografieren und begeisterte Blicke in den Wald, war sehr schön.
Im Ernst: das Felsenmeer ist in der Eiszeit entstanden, in das verwitterte Gestein konnte Wasser eindringen und gefrieren, das hatte später Spaltungen verursacht. Im 2-4 Jahrhundert haben die Römer die Granitblöcke bearbeitet. Bis heute sind 15 Beweisstellen erhalten.
Das Felsenmeer erstreckt sich lang und schmal, und viele Blockhalden sind noch weit verteilt im Wald, aber der Baumwuchs gewinnt da schon an Kraft.
Für Kinder ist es toll, den Berg über die Steine zu erobern. Obwohl ich da etwas Bedenken habe, dass ein Knirps in ein Loch fällt und bis Frühjahr nicht zurück kommt. Heute hat eine Ekippe einen Beitrag gefilmt, eben mit kletternden Kindern – vielleicht für „Sendung mit der Maus“ (oder, junge Eltern, was schauen die Kinder heute?).

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Ein Haus über den Dächern.

Montag, 20 Okt 2008 @ 19:31

Noch eine Jubiläumserinnerung (150 Jahre unserer Zeitung).

1997 wurde am Rand der Altstadt ein neues Hotel „Ramada“ gebaut. Drei alte Fachwerkhäuser in der Strasse Kleine Bach haben die Pläne der Architekten gestört, vor allem in der Tiefbauphase (Tiefgarage). Haus Nr. 14 steht seit dem Jahr 1430 und ist das älteste Haus in der Stadt.  Der Verein der Altstadtfreunde und eine große Front der Befürworter haben die Stadt und den Bauherren zum Umdenken gezwungen, die Häuser mussten erhalten bleiben. Die Häuser 14 und 16 wurden abgetragen, gelagert und später etwas versetzt vom alten Standort im Originalzustand wiederaufgebaut.

Das Haus Nr. 12, bekannt als Haus Laumann, hat auch überlebt. Das Fachwerkgerippe wurde mit einem Spezialkran „huckepack“ in die Höhe gehievt und 50 Meter weiter in einer Seitengasse zur Zwischenlagerung abgesetzt. Das heißt Translozierung. An den Tag und das riesige Medieninteresse kann ich mich gut erinnern, ich bin auch extra in die Stadt gefahren, denn man sieht schließlich nicht jeden Tag Häuser am Himmel.

Ich kann mich erinnern, wie sich die Seile gespannt haben, wie das Holz knarrte und stöhnte, als die Konstruktion Zentimeter für Zentimeter angehoben wurde. Spannung stieg an. Und plötzlich wurde es unruhig, die Aktion wurde gestoppt, das Haus zurückgestellt. Der Kran war nicht stabil, brauchte mehr Gewichtplatten, die erst mit speziellem Transport geholt werden mussten. In paar Tagen neuer Versuch – diesmal ist alles glatt gelaufen. Wir haben das Haus Laumann oben, über unseren Köpfen gesehen. Bild aus dem Buch: Architektur-Forum HeppenheimEs wurde von oben in die leere Gasse, die nicht viel größer war als das Haus selbst, auf eine extra angefertigte  Betonplatte abgestellt, wo es fast ein Jahr auf die Rückfahrt gewartet hat, bis die Erdarbeiten und die Tiefgarage fertig waren.

Original nachgebaut, ins Hotel integriert, beherbergten die Mauern paar Jahre eine stilvolle Cocktail-Bar. Aber wir waren nie drin.  Das Hotel hat schon mal den Namen geändert, dann wieder. Jetzt ist es „Park in“. Die alten Fenstern sind zugehängt und dunkel. Vielleicht arbeitet man an einer neuen Idee…

Wenn man die Kleine Bach lang geht, denkt man heute nicht mehr an die Ereignisse.  Aber wenn wir mit Gästen in der Altstadt spazieren, gehören die Häuser natürlich zum Programm.

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Weinlese.

Sonntag, 19 Okt 2008 @ 16:06

Wie wir schon geschrieben haben, ist Heppenheim in Weinlesefieber. Zum ersten mal wird dieses Jahr auch auf dem neukultivierten Abschnitt „Wein und Stein“, am Steinkopf gelesen.
Am Freitag haben sich dort mehrere Botschafter der Stadt und der Bergstraße zur Arbeit gesammelt. Ausgestattet mit Eimern, Rebscheren und gutem Willen, wurden sie fachmännisch angewiesen: „Das Rote sind die Trauben, die kommen in die Eimer. Das andere sind Blätter, die können hängen bleiben“. Dabei waren u.a.: Landrat Matthias Wilkes, ehemalige deutsche Weinprinzessin Lisa Edling, Fußballtrainer Klaus Schlappner, Musiker Franz Lambert, Manager Jürgen Gromer. Sebastian Vettel musste die Teilnahme absagen, wegen heutigem Rennen Formel 1 in Shanghai.
Die Winzer sind mit der Lese sehr zufrieden. Die Trauben bringen 80-104 Öchsle, das ist die Qualität der Spätlese. Der Spitzenreiter ist der Grauburgunder mit 117 Öchsle. Zu bestimmten Terminen werden über 30 Sorten gesammelt, so sind nächste Woche die Stars dran – Merlot und Cabernet Sauvignon.
Bei wunderschönem Wetter und „Weinstimmung“, waren wir gestern spazieren, na, schon eher wandern. Über zweit Stunden sind wir stramm in der Weinbergen am Essigkamm und im anliegenden Wald marschiert. Unterwegs haben wir auch viele fleißige Lesetrupps gesehen, die wir im Vorbeigehen freundlich begrüßt haben. Nur nicht von der Arbeit abhalten – damit wir etwas zu trinken haben, wenn es soweit ist. Und man könnte auch einen Bottich auf den Rücken bekommen und müsste helfen…
Bunte Landschaften breiteten sich vor unseren Augen, Weinreben in verschiedenen Farben lagen da wie ein Teppich.
Und in dem Buchenwald bedeckten die goldenen Blätter so dick den Weg, dass in uns die Kinderseele wach geworden ist. Wir haben beim Gehen,  die Blätter mit den Füßen aufgewühlt, dass sie wieder hoch geflogen sind. So ein Spaß haben wir schon lange nicht gehabt.

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Grace Kelly.

Freitag, 17 Okt 2008 @ 22:02

Zum 150-jährigen Jubiläum unserer Zeitung (Starkenburger Echo) werden täglich Berichte aus vergangenen Jahren gedruckt.
KellyHeute war zu lesen: 1958 hat Miss Margret Kelly geb. Mayer Heppenheim und ihr Elternhaus besucht. Frau Kelly war Mutter von der bekannten amerikanischen Schauspielerin und späteren Fürstin von Monaco, Grace Kelly. Die Großmutter der Fürstin hat in Heppenheim gelebt, in der Altstadt (Großer Markt 8 ) und ist mit 20 Jahren nach Amerika emigriert. Grace Kelly hat in vielen Filmen gespielt, z.B. „Das Fenster zum Hof“, „Zwölf Uhr mittags“, „Bei Anruf Mord“, „Über den Dächern von Nizza“. Sie hat den Fürst Rainier von Monaco geheiratet, ist 1982 im Autounfall gestorben, drei Kinder Karoline, Albert und Stefanie sind geblieben.
1999 hat Prinz Albert unsere Stadt und das Haus der Urgroßmutter besucht. Es war ein großer Medienspektakel, schließlich bekommt man nicht alltäglich fürstliche Gäste. Wir können uns an den Tag und die Zeitungsberichte erinnern.
Interessantes aus den letzten Jahren: die Familie, die heute das historische Haus bewohnt, hat viele Jahre eine Ente als Haustier gehalten. Die Ente war auch eine Persönlichkeit der Altstadt, nicht nur dass ihr ein Ende mit Kruste und Apfel erspart wurde, dann durfte sie noch freies Leben bei offener Tür und lockerem Stil genießen. Sie spazierte stolz über den Markt, verteidigte den Brunnen als ihr Revier und posierte gern den Touristen zum Foto.
Ente
Diese Ente gehörte zum Bild der Stadt und wir vermissen sie, seitdem sie zum Entenhimmel geholt wurde.

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