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Frost und Wein.

Montag, 29 Dez 2008 @ 21:21

Letzte Tage waren trocken, sonnig und kalt, sogar frostig. Sternenhimmel, Venus, Orion, Mond wie abgeschnittener Fingernagel und tagsüber nur strahlendes Blau und stechende Sonne.
Aber heute um 6:00 waren minus 6,5 Grad. Unser erster Gedanke war: es wurde sicher gelesen. Radio hat unsere Vermutung bestätigt, heute nachts war die Weinlese für den Eiswein.
Ich habe schon mal geschrieben, dass ein Teil der Weintrauben, unter Abdeckung, an den Stöcken bleibt und wartet… auf minus 7 Grad. Dann rückt die Lesemannschaft, nachts, notfalls mit Lämpchen, in die Weinberge aus. Die gefrorenen Trauben werden für eine Rarität gelesen, für den Eiswein, der mindestens 127 Öchsle haben muss und gehört in die obere Liga der Preisklasse. Eine 0,33L – Flasche kostet ab 25€, nach oben sind die Zahlen offen.
Unsere erste Begegnung mit dem Eiswein war eher ein lustiger (kommt darauf an, für wenn) Zufall. Vor ca 18 Jahren, haben wir von unserem Nachbar am 24.12. einen Wein bekommen. Wir haben ihn unter den Weihnachtsbaum gestellt, haben uns unterhalten, unser Geschenk gegeben und sind, mit besten Weihnachtswünschen, auseinander gegangen. Später ist der Nachbar wieder gekommen und hat wieder eine Flasche in der Hand gehabt. Jurek hat sie freudig entgegengenommen und wieder unter den Baum gestellt, gegen meine Verwunderung: „wir haben doch schon Wein bekommen“ (?). Abends, nach dem Essen, haben wir eine Flasche geöffnet, bohhh, war der Wein gut, süffig ist er unsere Kehlen abgegangen. Wir haben noch nie solchen Wein getrunken. Paar Tage später, Gespräch im Flur: „Mensch, Oli, der Wein von euch war aber lecker!!!“. „Das weis ich, es war ein Eiswein und den wollten wir selbst zum Heiligabend trinken. Ich wollte ja nur bisschen angeben und euch zeigen, was wir trinken werden“. Haha. Wir haben sieben Jahre zusammengewohnt und sind noch viele male zu diesem Heiligabend zurückgekommen. Und wir wissen seitdem, dass der Eiswein verdammt gut schmeckt. Das war das einzige mal, dass wir eine ganze Flasche Eiswein (0,5L) in der Hand (und im Magen) hatten.

P.S. An der Gießenerstr.4 blühen Schneeglöckchen. Dieselben, die ich schon letztes Jahr, Mitte Januar, fotografiert habe.

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Vierter Advent.

Sonntag, 21 Dez 2008 @ 19:41

Vierte KerzeHeute brennen überall vier Kerzen. Eigentlich ist alles still und ruhig, aber die Vorbereitungen zu Weihnachten laufen auf Hochtouren. In Heppenheim machen ab morgen manche Geschäfte früher auf, zB. Lidl schon um 7:00. Die Weihnachtsbaumverkaufstellen sind immer leerer, die Süßigkeiten in den Regalen immer weniger. Wenn der Verkauf schon im September anfängt, ärgern sich die meisten, aber anscheinend kaufen genug Leute ab da schon ihre Lebkuchen.
Letzte Tage regnet es viel, es sieht nicht gut aus für weiße Weihnachten . Aber bei uns schneit es eh nicht viel. Die meisten Kinder haben nicht mal einen Schlitten. Letztes Jahr musste ich an einem verschneiten Nachmittag (ich glaube, an dem einzigen) in die Stadt. Böse Jungs haben die Mädchen mit Schneebällen beworfen. Hinter mir hat keiner geworfen. Ich war mir nicht so sicher, ob ich wegen dem trockenen Kragen froh sein sollte, oder…
Aber an unseren ersten Winter hier, 1990, können wir uns erinnern! Ojej! Wir wussten nicht mehr wohin mit dem geschobenen Schnee. Autofahren war schwierig, vom ordnungsgemäßen Parken konnte keine Rede mehr sein, denn überall waren Schneeberge. Und jeden Tag ist neuer dazugekommen. „Wo sind wir den hierher gekommen?“ Damals wussten wir noch nicht, dass diesem seltenen Winter ein früher und warmer Frühling folgen sollte, mit Blumen im Februar, mit sonnigem Fastnachtsumzug, zu dem wir nur Jacketts angezogen haben. Und am 16.03.91 haben wir auf der Terrasse, mit kurzen Ärmeln, Sekt getrunken, für das Wohl meiner 100-jährigen Oma.

Heute waren wir mit Freunden im Odenwald, bei Lörzenbach. Es hat nicht geregnet, 9 Grad, windstill. Wir sind fast zwei Stunden gegangen, im Wald, an den Wiesen und Feldern entlang, oben auf dem Berg – mit weiter Sicht über den Odenwald, im Tal, durch das Dorf. Wir sind an alten Obstgärten vorbeigegangen, wo die Bäume heute nur noch die Mistel tragen. Man würde so gern einen Ast abbrechen, zur Dekoration. Und vielleicht würde man dann darunter noch mal etwas schönes erleben, bekanntlich ohne Sünde.

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Advent für Senioren.

Mittwoch, 17 Dez 2008 @ 19:16

SeniorenAm Sonntag war die traditionelle Adventsfeier für Senioren, die die Stadt jährlich für alle über 70 Jahre organisiert. Nachdem man letztes Jahr irgendwie den Transport für die Rollstuhlfahrer vergessen hat – wurde er diesmal sehr gut geregelt. Gestern haben an der Feier 360 Senioren teilgenommen. Dafür wurde ein großer Raum benötigt. Der „Halbe Mond“ verfügt über genug Raum, aber, wie ich schon geschrieben habe (bei FDP), wird er umgebaut. Eine Alternative musste her und wer will, der findet – die Feuerwehr. Die Fahrzeuge raus auf die Parkplätze, die Senioren an die Tische. Die Feuerwehrleute haben den Raum und die Tische festlich dekoriert und für weihnachtliches Programm und Stärkung gesorgt. Es gab Kaffee und Kuchen, aber später auch Schnitzel mit Gemüse und Kroketten. Wie ich gehört habe, hat es sehr gut geschmeckt. Die Senioren waren zufrieden, haben Bekannte getroffen und waren an dem Tag wichtig in der Stadt.
Auf dem Bild sehe ich paar von unseren Patienten. Sie haben danach gern erzählt. Aber für uns war es ein kleiner Ausnahmezustand. „Schwester, kommen Sie früher//später, ich möchte zu der Feier“. Zwei sind gegangen und im Eifer vergessen sich bei uns abzumelden, die Kollegin hat vor der Tür gestanden, unnötige Anfahrt, Sorgen, ob etwas passiert ist, Telefonate. Wir bemühen uns solche Sonderwünsche unserer Klienten zu erfüllen, es ist wichtig, dass sie die Möglichkeit haben am sozialen Leben teilzunehmen. Ob es Familien-, Weihnachtsfeier, Kartenabend oder Gottesdienst ist, wir können uns recht kurzfristig anpassen. In der Tour wird halt bisschen „geschoben“, einer wartet etwas, einer kommt früher dran, mit Bitte um Verständnis wird die Reihenfolge verändert, heute er – morgen Sie.
Wenn wir in Polen sind fällt uns auf, dass man dort eigentlich keine Behinderten auf den Strassen sieht, keine Rollstühle,und Rollatoren, wenig alte Menschen.
Und bei uns gehören sie zahlreich zum Bild der Städte. Heppenheim hat in letzten Jahren fast alle Bürgersteige umgebaut, damit schwellen freies Fahren möglich ist. Die alten Menschen gehen mit Rollatoren einkaufen und mit Nordic-Walking-Stöcken spazieren (das sieht schicker aus als Stock, erinnert nicht so an die Schwäche, und gibt die Stütze so „als ob“). In unserem Supermarkt TOOM gibt es spezielle Einkaufswagen, an die man sich mit Rollstuhl ankoppeln kann. Da hat Einer gut gedacht. Der Behinderte kommt sogar mit Auto einkaufen, aber wo soll er seine Butter und Milch halten? Aber wenn ein muskulöser Sportler oder Dame mit Stöckelschuhen ihre Autos auf einen Behindertenparkplatz stellen, dann überkommt mich Wut. „Was heute nicht ist, kann morgen noch werden“ – habe ich schon öfter hinterher gerufen. In Polen habe ich mal eine Tafel gesehen „Du hast einem Behinderten seinen Parkplatz genommen, nimm auch seine Krankheit“ – wow! das wirkt. Ich habe mir diesen Satz auf rotem Papier gedruckt und schon manchmal so hinter die Scheibenwischer gesteckt, damit alle den Zettel sehen.
Taxi-Ufer, unser Taxiunternehmen hat spezielle Fahrzeuge die Rollstühle transportieren, nicht nur zum Arzt, aber auch zu Feier.

Auf dem Weg zum WeihnachtsmarktTreppenhaus im HochhausSportlich, mit StöckenKarnavalsumzugSpaziergang

Die Alten, Kranken und Behinderte gehören auch zu unserer Gesellschaft. Und unsere Stadt gibt sich die Mühe den Anforderungen gerecht zu werden. Und wo noch Defizite sind ( sind wir ehrlich: es gibt sie!), dann hoffen wir, dass jemand wann und wo, daran arbeitet.

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In Bensheim.

Sonntag, 14 Dez 2008 @ 21:26

Dritte KerzeHeute musste ich arbeiten, aber den Nachmittag hatte ich frei. Es war ein sonniger Tag, also sind wieder zum Weihnachtsmarkt gefahren, diesmal in die feindliche Regionen – nach Bensheim. Das ist die nächste Stadt und es bestand seit eh und je eine Rivalität zwischen Heppenheim und Bensheim. Früher haben wir gern die Witze mitgerissen, aber jetzt wohnt unsere Tochter dort. Ein nahender Gewitter war uns nicht schlimm, „vielleicht geht er über Bensheim“, aber das wünschen wir unseren Kindern jetzt nicht mehr.
Doch was gut ist, sollte man auch sagen: Bensheim hat drei Wochen Weihnachtsmarkt, nicht wie wir – einen Tag und dann noch im Regen. Es war sehr voll, aber wo Platz für andere ist, da passen wir auch hin. Und wem es unten zu eng war, der konnte sich mit dem Riesenrad über das Geschehen erheben. Mit Glühwein in der Hand sind wir an den Buden entlang gegangen (oder eher: wir haben versucht immer weiter zu kommen), bis zum Marktplatz. Und da war sie! Die Riesentanne. Mit Party und Presse wurde sie geliefert und aufgestellt. Und ich kann mich erinnern, dass die Tanne im letzten Jahr sogar paar Zentimeter höher war, als die in New York (genaue Angabe war damals in der Zeitung). Die Bensheimer waren sehr stolz und wir haben geschmunzelt.
Diesmal steht sie da, elegant und glitzernd. Dekoriert nur mit weißen Lämpchen, aber wohl mit tausenden davon. Sicher gibt es ein Gewinnspiel, wie viele es sind.
Der Brunnen am Platz wurde (wie auch zum Winzerfest) zu heißer Glühweinquelle umfunktioniert und daneben haben Nikolause im Orchester gespielt. Was braucht man mehr?

GlühweinWeihnachtsbaumUnter dem WeihnachtsbaumWein aus dem BrunnenLangosEisbarRiesenrad

Am Wambolder Hof haben sich viele Menschen am Eisbaum versammelt, dort wurden Weihnachtsgeschenke versteigert. Mehrere Skulpturen im Eis waren mit Kerzen dekoriert, schön und vergänglich. An der Eisbar haben wir uns nicht lange aufgehalten, wir stehen eher auf die heißen Getränke. Aber es war schön und interessant. Ob die kreativen Ideen in einem echt bensheimer Kopf entstanden sind?
An einer Wand hat ein Nikolaus gesessen, mit Becher für Geld vor sich und Mundharmonika an den Lippen. Wir haben uns in der Nähe gestellt, weil ich meinen Langos (mit Knoblauch und Käse) ruhig essen wollte. Der Nikolaus hat sich „warm gespielt“, hier gepustet, da gepfiffen in sein Instrument. Noch bevor ich mit Essen fertig war, haben wir ihn geknackt! Er hat keine Ahnung von Mundharmonika gehabt. Aber für seine Kreativität hat er einen Euro verdient. Es war nicht nur die Verkleidung. Wie Millionen andere, haben auch wir seit Wochen eine große Sympatie für Straßenmusikanten mit Mundharmonika (dank Dieter Bohlen und Superstar).
Ein schöner, lustiger, leckerer Adventnachmittag – obwohl in Bensheim.

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FDP

Samstag, 13 Dez 2008 @ 18:07

Gestern sind viele Persönlichkeiten der Politik nach Heppenheim gekommen. Guido Westerwelle, Otto Graf Lambsdorf, Wolfgang Gerhardt und andere. Ein starkes Aufgebot an Polizei, Rettungswagen sowie Übertragungswagen mehrerer Fernsehanstalten machte vorbeieilenden Passanten deutlich, dass im Kurmainzer Amtshof Außergewöhnliches geschah, wie unsere Zeitung das Bild beschrieben hat. TV – Nachrichten haben uns informiert:  die FDP hat ihren 60. Geburtstag gefeiert. In ihrer Wiege – denn hier, im Heppenheimer Amtshof wurde sie am 12.12.1948 gegründet.

FDP JubiläumVor sechzig Jahren, drei Jahre nach dem Krieg, paar Monate nach der Währungsunion, herrschte an fast allen Dingen Mangel, auch an Brennstoff. Als die 90 Delegierten aus den westlichen Besatzungszonen und aus dem freien Berlin anreisen sollten, wurden sie schon in den Einladungen gebeten, selbst 1-2 Briketts mitzubringen. Leider war das Aufheizen des großen Kurfürstensaals nicht möglich, so dass die Parteigründer in den darunterliegenden Winzerkeller umgezogen sind. Bei dem Treffen wurden mehrere liberale Gruppierungen zu einer neuen Partei zusammengeschlossen und der heutige Name wurde damals nach langen und heißen Diskussionen entschieden.

FDP JubiläumNicht zufällig hat man Heppenheim als Geburtsort der FDP gewählt. Schon 101 Jahre früher, im 1947, haben sich hier (im „Halben Mond“) Liberale unter der Leitung von Heinrich von Gagern getroffen und ihre Forderungen für die Frankfurter Versammlung („Paulskirchenversammlung“ 1848) formuliert: Nationale Einheit, Verfassungsrang für bürgerliche Grundrechte, Pressefreiheit.

Heute bewegen wir uns in den historischen Räumen eher zu kulturell-gastronomischen Zwecken. Im Amtshof ist ein Restaurant Winzerkeller, darunter im Gewölbekeller kann  man zu Silvester und in der Fastnacht feiern, und wir waren dort mal zu Weinprobe. Im Hof finden jährlich die Festspiele statt und zum Weinmarkt tobt hier Leben, Musik, und Wein wird massig gegossen. Im Kurfürstensaal finden Konzerte und Veranstaltungen statt, sowie wichtige Sitzungen. Im Amtshof ist auch da Stadtmuseum. „Halber Mond“ das ist Kapitel vom anderen Kaliber, ein schöner (na…wenn er mal gemacht ist, vorerst steht er leer und gammelig) Bau mit historischer Geschichte, Hotel, Restaurant, Veranstaltungssaal, ewiges Stadtthema – dafür nehme ich mir mal mehr Zeit.

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Nikolausmarkt.

Sonntag, 7 Dez 2008 @ 9:40

Gestern war in unserer Altstadt und Fußgängerzone der alljährliche Nikolausmarkt. Leider ist er bei uns nur einen Tag und dazu hat es geregnet. Wir haben schon mit dem Gedanken gespielt, zu Hause zu bleiben, aber unser Nachbar hat angeklingelt, ob wir gehen. Und? Wir sind gegangen, zu viert ist es lustiger, sogar im Regen. Und wie sagt man?: es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.
Trotz Regen waren erstaunlich viele Leute da, mit Schirmen und darunter, haben zusammengestanden, Wein getrunken, Bratwurst oder Pizza gegessen, gelacht und geredet. Wir sind auch an einem Glühweinstand angekommen, unter einem großen Schirm war genug Platz – wie extra für uns. Als wir mit dem wärmenden Getränk fertig waren, hat es auch aufgehört zu regnen. Jetzt konnten wir weiter gehen. Man muss immer alles begehen. Sehen und gesehen werden! In einer kleinen Stadt darf man nichts verpassen.
Am Großen Markt war es so voll, dass wir kaum durchkommen konnten. Am Rathaus haben wir bisschen Musik gehört, irgendwie gehört es dazu. Neben der großen Tanne haben wir uns wieder Glühwein gewünscht und dazu hat man uns auf die Hand leckeren Lebkuchen gegeben. Gleich daneben haben wir bei den Altstadtfreunden eine Ausgabe über den Umbau vieler Häuser in der Altstadt gekauft (genau was ich letztens geschrieben habe). Sind alle da? dann weiter zwischen die Leute und die vielen Buden, mit Weihnachtsdekoration, Kerzen, Spielzeug, Vogelfutterkästen und was sonst noch.

Gedränge im RegenAm MarktWeihnachtsmusikAm MarktNoch ein GlühweinDuft von Crêpes

Am Kleinen Markt war auch Musik, dazu Duft von Pfannkuchen und es hat wieder geregnet, also… dritte Runde Glühwein, dabei durften wir Christstollen probieren. Gut, dass Jurek keinen Glühwein mag, einer musste ja fahren.
Satt gegessen und getrunken, zufrieden sind wir nach Hause gefahren und haben noch Stündchen bei uns gesessen.
In guter Gesellschaft kann man auch bei Regen schöne Zeit verbringen. Aber für nächstes Jahr wird sicher besseres Wetter bestellt.

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„Ostbahnhof“

Samstag, 6 Dez 2008 @ 8:53

OstbanhofAn der Ostausfahrt der Stadt, in der Siegfriedstrasse 198, steht ein Haus, bekannt als „Ostbahnhof“. Fast täglich fahre ich an ihm vorbei – alte Bruchbude, mit hässlichen Wänden in Farbe, die vor vielen Jahren vermutlich gelb war. Ich habe das Haus vor 18 Jahren kennengelernt, als ich am Anfang meiner Arbeit dort zu einer alten Patientin musste. Ich kann mich bis heute an das schreckliche Gefühl erinnern, schiefe, schmutzige Treppen, quietschende, verkratzte Tür, die sich nicht schließen lies, kleine Fenster mit angerissenen Gardinen, dunkel und dreckig. Damals war daneben ein zweites ähnliches Haus.
Man hat dort die Obdachlosen und die, die kurz davor standen, untergebracht. Die letzte soziale Station. Jede Stadt hat solche Orte, selten ein Grund zum Stolz.
Heppenheim hat seit Jahren ein neues Haus und ich war überzeugt, dass dieses leer steht. Und wunderte mich, warum es nicht abgerissen wird. Jetzt habe ich in der Zeitung (Starkenburger Echo, 3.12.08) gelesen: das Haus steht unter Denkmalschutz, es wurde nach dem ersten Weltkrieg gebaut, als Unterkunft für kinderreiche und arme Familien, also erster Sozialwohnungsbau, es gehörte zum Komplex aus mehreren Häusern, die in den siebziger Jahren abgerissen wurden. Anfangs dienten alte Eisenbahnwagons als Obdach, daher im Volksmund – „Ostbahnhof“. Erstaunt hat mich die Information, dass letztes Jahr dort noch sechs Leute gewohnt haben. Und gestern habe ich in einem Fenster Licht gesehen.
Das Haus wird jetzt doch abgerissen und damit wird ein Kapitel der Geschichte von Heppenheim zu Ende gehen. Und der Letzte macht das Licht aus.
Am Anfang meiner Arbeit habe ich auch anderes Haus kennengelernt, bekannt als die „Willa Sonnenschein“. Das war eine Baracke mit zwei Ebenen, in der acht Familien (glaube ich) gewohnt haben, zwei davon schon in der nächsten Generation. Der Hof war immer voll vom Sperr- und Müll.
Als ich dort das erste mal gehen sollte, habe ich meinen Dienstkalender unter den Arm genommen, im weißen Kittel und mit dem Kalender habe ich mich sicherer und amtlich gefühlt. Unnötig, den die Patientin war eine sehr einfache Frau, aber nett und die Wohnung war recht sauber. Sie hat sich nur beschwert, dass die Küche dunkel ist, weil die Brennnesseln das Fenster halb zuwachsen. Warum schneidet sie sie nicht ab? Weil es Sache der Stadt ist…
Ich bin dort noch paar Jahre gegangen, in der Zeit habe ich auch noch andere Wohnungen besucht, nicht mehr so ordentlich. Aber alle waren furchtbar mit jeglichem Mobiliar zugestellt und sehr (!!) viele Videokassetten und volle Aschenbecher waren da. An Stelle der „Willa Sonnenschein“ steht heute ein schönes gepflegtes Reihenhaus. Aber es war auch ein Teil der Geschichte.
Über die Jahre der Arbeit bin ich auch in viele alte Häuser in der Altstadt gegangen, die den Atem gestockt haben. Heute gibt es immer weniger davon. Die alten Leute verlassen die Häuser und die Erben und neuen Eigentümer stecken viel Geld und Liebe rein und richten daraus schicke Vorzeige-Pralinen der Stadt. Über manches von diesen Häuser, die heute bewundert werden, könnte ich paar Geschichten erzählen. Vielleicht sollte man sie aufschreiben, bevor sie vergessen werden.
Das ist mein persönliches Wissen über die lebendige Geschichte der Stadt.

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Erste Kerze.

Montag, 1 Dez 2008 @ 20:28

Erste KerzeDie erste Kerze brennt. Die Stimmung auf Weihnachten kommt. Wir waren gestern in Mannheim zum Weihnachtsmarkt. Abends, da im Dunklen die Lämpchen erst richtig zur Geltung kommen und zusammen mit weihnachtlicher Musik für die schöne Atmosphäre sorgen. Auf gleiche Idee sind sehr, sehr viele Menschen gekommen, es war voll, manchmal kein Durchkommen mehr. Am engsten war es natürlich vor den Glühweinständen ( in -zig Variationen) und Fressbuden. Und die Auswahl!! Wir essen in Mannheim immer ein Langos – ungarisches Hefegebäck in Öl gebraten, Jurek mit Puderzucker und ich lieber mit Käse und Knoblauch.
Zwischen den Buden spazierend, oder eher durchschiebend, haben wir plötzlich neben dem White Christmas, noch andere Töne rausgehört. Und wie anders! Bachata, unsere Lieblingsmusik von der Dom. Rep. Da haben wir gleich eine CD, zur Ergänzung unserer karibischen Kollektion, gekauft. Ein paar Hütten weiter haben wir ein schönes Geschenk für eine nahe Person gefunden. Und viel Zeit haben wir wieder an „unseren“ Ständen mit raffinierten Soßen und Gewürzen verbracht. Wir haben ausgiebig probiert, ob die Rezepte vom letzten Jahr wohl gleichgeblieben sind und ich habe auf Brot Orangensenf, Birnen-, Feigensoße und zwanzig andere gekostet, während Jurek sich lieber dem Bärlauch und Peperoni zugetan hat.

WeihnachtsmännerSchmeckt?KindheitstraumTankstelleDie erste TasseWas für eine Kopfbedeckung...Afrikanische Kunst

Schon auf dem Weg zum Markt, habe ich (solidarisch mit dem Fahrer) laut gedacht: „Nach einem Glühwein kann man doch noch fahren, oder?“ Jurek: „Sogar nach zwei, kommt darauf an, auf welcher Seite im Auto man sitzt“. Na… Ich hatte Glück, ich habe rechts gesessen.

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Advent

Dienstag, 25 Nov 2008 @ 21:29

Es weihnachtet immer mehr um uns. Weihnachten – das ist nicht nur die Zeit der Einkäufe, aber auch des Nachdenkens, Erwartung und Vorfreude.
Der Advent wird traditionell und vielseitig gefeiert. Jeder hat zu Hause die Kränze oder Dekoration mit vier Kerzen, schon jedes kleine Kind kann „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…“ aufsagen.
Und spätestens, wenn die letzte Kerze angezündet wird, sollte man alles für die Feiertage bereit haben, Baum,Termine für Besuche, Menu, Geschenke.
In der vorweihnachtlichen Zeit werden viele Weihnachtsfeiern organisiert, meistens diese von der Arbeit – das ist eine nette Form den Mitarbeitern und Kollegen einen Dank auszusprechen. Jurek geht mit seinen Kollegen, und ich werde sogar zwei haben, eine von unserem Büro, ca 40 Mitarbeiter und eine große vom Caritasverband, für alle Sozialstationen aus dem Bezirk, da kommen schon leicht 250 Teilnehmer zusammen. Jedoch haben die Feiern, die wir kennen, nichts gemeinsam mit denen, die man aus amerikanischen Filmen kennt.
Unser BaumIn vielen Städten werden Weihnachtmärkte eingerichtet. Bei uns wird am 6.12. der historische Markt mit Buden und Ständen zugestellt, wo man sich bei Licht und Musik mit Freunden trifft und mindestens Glühwein und heiße Maronen oder Crêpes nimmt oder noch ein Geschenk oder Deko kauft. Es ist schade, dass unser Markt nur einen Tag dauert. Es ist so viel Vorbereitung und manchmal passt einem auch der einzige Termin nicht, da würde man gern am anderen Tag oder auch noch mal gehen. Sehr schöne (und unvergleichbar größer) sind die Märkte in Heidelberg und Mannheim. Wie immer, werden wir mindestens zum einen davon sicher fahren.

In unserem Stadtteil, heppenheimer Weststadt, hat sich seit 5 Jahren ein „lebendiger Adventskalender“ etabliert. Ab 1.12. wird sich täglich an einem Haus eine Gruppe treffen, die zusammen paar Weihnachtslieder singt und ein Gebet spricht, vielleicht bringt jemand eine Gitarre oder Mundharmonika mit, vielleicht stellt die Gastfamilie einen Teller mit Plätzchen bereit oder Kaffee aus der Thermoskanne. In einer Halben Stunde gehen sie wieder auseinander. Am nächsten Tag ist ein anderes Haus dran, die aktuellen Adressen  stehen in der Zeitung und in der Kirche. Der lebendige Adventskalender wird von unserer katholischen Kirche Erscheinung des Herren organisiert, aber eingeladen sind alle, katholisch, evangelisch, groß, klein, mit Tuch oder Turban, Nachbar, Gast und Tourist. Die Kinder bekommen dabei kleine Geschenke oder basteln selbst etwas, damit wird nach und nach der Baum in der Kirche geschmückt. Und wenn der Baum voll ist und die vierte Kerze brennt –

– dann ist Weihnachten, ein Fest der Liebe und des Friedens.

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Ein neuer Exot.

Dienstag, 18 Nov 2008 @ 18:22

Passend zum letzten Thema, haben wir heute in Starkenburger Echo gelesen: in Heppenheim wachsen zwei Kakibäume. Der Eigentümer hat sie vor zehn Jahren gepflanzt, neben anderen Pflanzen aus seiner Heimat – Apulien.
KakiWie man auf dem Bild sieht, ist der Baum voll von Früchten (bekannt auch als Sharon), die jetzt noch in natürlicher Umgebung reifen können, denn sie brauchen dazu Kälte. Im Handel angebotene Kaki ist unreif und sollte zur vollen Geschmacksentwicklung in den Kühlschrank gelegt werden. Ich bin natürlich die angegebene Strasse entlanggefahren, in der Hoffnung, dass die Bäume sichtbar sind, leider wurde ich enttäuscht. Enttäuscht werden sicher nicht die Nachbarn des Hobbygärtners, die vermutlich alle gut mit den Früchten versorgt werden, den die Menge kann eine Familie nicht verbrauchen.

Also, zur Erinnerung – in Heppenheim wachsen: Feigen, Kiwi, Pfirsiche, Bananenstauden (leider ohne reife Bananen, da die Wärme zu kurz ist), viele exotische Bäume (z.B. Palmen, Bambus, Araukarie) und jetzt neu – die Kaki.

Fehlt nur noch das Meeresrauschen, Sand und 365 Tage Sonne. Wir arbeiten daran.

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