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Fastnacht – Helau!

Freitag, 20 Feb 2009 @ 20:09

In der Stadt herrscht Fieber. Nein, kein grippaler Infekt, sondern Fastnacht!
Seit Wochen lesen wir täglich in der Zeitung über Veranstaltungen und Sitzungen.
Viele Jahre waren wir begeisterte Karnevalisten, mit Freunden sind wir zu Sitzungen gegangen, haben keinen Rosenmontagball im „Halben Mond“ verpasst. Mit einem Mal, vor 5 Jahren, war die Luft raus, wir und unsere Freunde haben keine Lust mehr gehabt. Aber es ist kein Problem, zur Fastnacht muss man sich nicht zwingen. Vielleicht ist nächstes Jahr wieder anders.

Aber Heppenheim feiert eifrig. Auch ohne uns.
Fastnacht ist nicht nur Spiel und Spaß, sie ist auch eine ernste Angelegenheit. Hinter der „Maske“ werden Themen angesprochen, die uns berühren und ärgern, politische, soziale, lokale – gnadenlos, ironisch, sarkastisch, lustig. Und das alles im hepprumer Dialekt.
Gestern, an Weiberfastnacht, haben traditionell Frauen das Spiel bestimmt. Wie jedes Jahr haben die Veggelsbecher – eine Frauengruppe aus Hambach, maskiert als alte Weiber (die wahren Gesichter bleiben immer verborgen) die Stadt mit Erfolg unsicher gemacht.

Karneval aus meiner Kindheit, das waren fein angezogene Eltern, Mutter mit Ballkleid (diese Kleider habe ich heimlich so gern angezogen!), die zum Tanzen gegangen sind. Hier steht tanzen nicht im Vordergrund. Man verkleidet sich und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. In den Tagen sieht man Indianer beim Einkaufen, Fliegenpilze an der Ampel, einen Clown am Steuer. Alles ist OK, die Gestallten sind auf dem Weg irgend wohin, wo es lustig ist. Die Verkleidung macht die Menschen auch etwas anonym, mancher Pharao findet seinen Spaß mit einer Schneeflocke, oder Biene Maja erobert einen Willi…
Jede Gruppe, Organisation, Stadtteil haben ihre Fastnachtveranstaltungen. Das Schöne an einer kleinen Stadt ist wieder, dass man die Akteure kennt. Gestern Arbeitskollegin oder Nachbar, heute politischer Meckerer, Büttenredner, Sexualtherapeutin (mache dir einen Schnitzel-Tattoo, dann wir der Mann wieder Appetit bekommen).
Jeder in Heppenheim kennt Habafa in Hambach, gute 5 Stunden Programm, dieses Jahr unter Motto „Brasilien, Samba und Helau“.
Nicht zu Schlagen ist die Frauenbund-Fastnacht, wo nur Frauen Zugang haben, und der Pfarrer (der fastnächtlich sehr aktiv ist, und so-wie-so geschlechtslos), eventuell der Kaplan und der Bürgermeister.

Die Aktiven der Fastnacht werden für ihre Verdienste mit Orden ausgezeichnet. Die Anderen kaufen sich für 2,50€ Anhänger, Anstecker (jedes Jahr neu), mit denen man sich dekoriert, am besten alles auf einmal. Dieses Jahr gibt es den „Blinki“ – Anstecker mit Autos und blinkenden Lämpchen.
Das größte Ereignis ist die Straßenfastnacht mit dem Umzug, am 22.02. Und die lassen wir uns nicht entgehen!
Obwohl es leider kalt und regnerisch angesagt ist. Na, mal schauen…

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Vordersberg

Montag, 16 Feb 2009 @ 18:46

Seit zwölf Jahren schauen wir aus dem Fenster auf den Maiberg mit dem auffallenden runden Haus und ein über den Wäldern stehenden Mast auf dem Vordersberg. Ich wollte immer mal dahin.
Gestern war bisschen Sonne und in höheren Lagen lag Schnee. Wir wollten nur einen kleinen Spaziergang machen, also warum nicht dorthin? Ich dachte sogar, dass es zu wenig ist, dass wir vom runden Haus zum Mast vielleicht zehn Minuten brauchen. Den Weg haben wir nicht gekannt.
Das Auto haben wir an der Freilichtbühne abgestellt – wen soll es da jetzt stören?
Und dann sind wir oberhalb der Siegfriedstraße (in Richtung Kirschhausen) in den verschneiten Wald losmarschiert.
Der Weg war viel weiter, als wir gedacht haben, denn wir sind um den ganzen Berg gegangen, bis zu Aussicht auf Erbach. Wir sind gelaufen und gelaufen, geschaut, gelaufen, fotografiert, gelaufen, Vögeln zugehört, gelaufen…

Unterwegs haben wir Kobolde hinter Gittern, verliebte Bäume und Spuren vom Odenwälder Yeti gesehen.

Mit jedem Schritt höher, haben wir auch die Burg aus anderer Perspektive gesehen, bis wir am Ziel angekommen sind. Der Sendemast war nichts besonderes, einfach grüner Turm, wie auf der ganzen Welt. Aber wenn wir jetzt aus dem Fenster schauen werden, dann wissen wir, was wir sehen.

Zurück sind wir anders gegangen, haben sogar wild über Wiese und Wingert abgekürzt (mit Blick auf die Stadt, so nah und doch so weit…), vorbei am runden Haus und an paar wunderschönen Häusern am Maiberg – leider kein Platz für uns und für euch auch nicht, aber gucken darf man. Die Lage dort ist so schräg, dass der Eingang zu manchem Haus im Dachgeschoss ist und der Bau dann zwei-drei Ebenen runter geht.

Und so haben wir den „kleinen“ Spaziergang in umgekehrter Richtung gemacht, statt in gedachten 10 Minuten – in zwei Stunden.
Aber der Kaffee danach hat geschmeckt! und dazu das wärmste Jäckchen… das Konjäckchen!
Die Strecke war sehr schön, wir werden sie auch zusammen mit Freunden laufen. Am besten nach Erbach zum Gasthof Jäger, denn nach solchem Marsch wird auch der Schnitzel mit Kochkäse ohne Reue schmecken!

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Der Winter geht zu Ende

Samstag, 14 Feb 2009 @ 16:23

Wir haben schon den halben Februar. Eigentlich ist noch tiefer Winter, aber nicht bei uns, an der Bergstraße. Hier werden wir vom Klima verwöhnt. Es ist schon über zwei Monate kalt – das reicht. Wir sind es leid und warten auf den Frühling. Letztes Jahr haben schon am 3.02. die Krokuse geblüht. Aber jetzt haben wir immer noch um null Grad und morgens muss man meistens das Auto etwas abkratzen.
Gestern sind zehn Schneeflocken gefallen – Mitte Januar wäre es OK, aber Mitte Februar ist es quellend. Jedoch die Natur weiß damit umzugehen, die nächtliche Kälte holt sie tagsüber auf. Und es gibt genug Frühlingsboten.
Unsere Terrassen liegen geschützt und sonnig, so dass man recht früh draußen den Kaffee trinken kann. „Erster!“ wer wird es dieses Jahr rufen? Vor paar Jahren waren wir es, Ende Januar – na, gut, in Pullis.
14.01.09 - Das ist kein Milch - das ist WasserSchnee haben wir nicht viel, höchstens paar Tage müssen wir schieben. Frost ist uns auch gnädig. Aber wir haben auch vor paar Jahren gute 2 Wochen minus 18 Grad. Und dieses Jahr haben viele Tage minus 10 Grad angehalten, lange genug, dass uns das Mineralwasser in der Garage eingefroren ist. Die PET-Flaschen haben dabei zweite Formung absolviert und wurden danach zu Plastiktüten.
Wir hoffen stark auf ein gutes Wetter am 22.02., zum Fastnachtsumzug.
Und wir geben nicht auf. Mein Wintermotto funktioniert: „jeder Tag bringt uns näher an den Frühling“. Wir suchen und finden die Zeichen.

21.01.09 - Palmen in Unterhosen4.02.09 - Palmen mit Hut4.02.09 - Schneeglöckchen4.02.09 - Kätzchen5.02.09 - Nebel13.02.09 - Keine Angst, der Frühling kommt13.02.09 - Winterling

Und heute? Aufwachen in Weiß! Was für eine Überraschung.
Unser netter Nachbar, der früher aufgewacht ist als wir, hat schon den gemeinsamen Weg freigeschaufelt. Wie heißt es? Die Morgenstund… macht Wege frei?
Aber die Bilder mussten wir sehr schnell machen, da der Zauber bei plus-Graden vor den Augen von den Ästen abgefallen ist.

Aus dem FensterStarkenburgAus dem FensterIm Garten

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Faszination Natur

Freitag, 6 Feb 2009 @ 20:02

Im Haus der Pädagogik ist z.Z. (29.01 bis 30.04.09) eine Fotoausstellung von renommierten Naturfotografen „Faszination Natur“. Gestern war auch ein Bildvortrag von Herr Heinz Diehl aus Einhausen. Neugierig bin ich abends dahin gegangen. Im Gebäude habe ich einen Bücherstapel, eine uralte Schulbank (manche Ältere erinnern sich noch) entdeckt. Die ausgestellten Bilder waren wirklich schön und einmalig.

Doch der Vortrag vor einem vollen Raum (die Organisatoren haben nicht mit solcher Resonanz gerechnet) hat meine Erwartung total überstiegen. Fotos aus unserer Gegend – Bruchsee, Lorscher Erlachsee, Wiesen zwischen Heppenheim und Lorsch, alles zu Fuß erreichbar – unterlegt mit stimmiger meditativer Musik. Gute Stunde durften wir uns mit Einblicken in die Natur verzaubern lassen, die wir beim Spaziergang vermutlich nie erleben werden. Als das Licht angemacht wurde, mussten wir erst in die Realität zurückkommen, bevor wir den Referenten und „Jäger“ mit lautem, langem Klatschen unser Dank aussprechen konnten.
Paar Informationen möchte ich behalten:
– der Raubwürger, ein Wintergast bei uns, hat die Größe einer Amsel, und spießt seine Beute (Maus) auf Dorne. Wenn der Vorrat im Winter einfriert, ist es vermutlich wie für uns Eis…
– der Eisvogel, Vogel des Jahres 2009, lebt hier ganzjährig. Einmal haben wir ihn schon gesehen
Wespenspinne– die Zebraspinne (auch Wespenspinne) von Hr. Diehl jagt auf weiteren Bildern einen Grashüpfer und „bereitet sich ihn als Vorrat“ für später.
Unsere war vor der Haustür (vielleicht lauerte sie auf uns?…)

– die Verbreitung der Flechte zeigt für verbesserte Luftqualität

– was könnte man noch sehen,wenn man um Heppenheim spazieren geht? Den Kibitz, Brachvogel, Turmfalken, Kormoran, Reiher, Störche, Fasane, Uferschwalben (die in ca 1 Meter tiefen Röhren in Sandwänden brüten), viele Blumen, Gräser und Pilze.
Ich weiß schon, wo wir im Frühjahr wandern werden – das Ried ist uns relativ fremd, wir haben es bis jetzt eher schnell mit Fahrrädern auf dem Weg zur Eisdiele nach Lorsch, durchquert.
Der gestrige Vortrag zeigt wieder: die Natur ist auch vor der Tür wunderschön, wenn man nur Augen und Herz öffnet.
Viele ähnliche Motive haben wir auch, Pilze, Blumen, Spinnen. Wir können uns zwar nicht mit dem Meister messen!, aber wir könnten ihm die Ausrüstung tragen und mucksmäuschenstill mit im Beobachtungszelt sitzen.
Hier paar kleine Naturwunder aus unserer Umgebung, gesehen durch unser Objektiv:

Sieht appetitlich ausBrennesselAmeisen und BlattläuseAuf dem Weg zum SalatbeetNoch im WachstumBaumpilz auf dem Weg zum HimmelZunderschwamm Eichhase?Bad im NektarTaubenschwänzchenSeltener Gast

Schade, dass Jurek gestern nicht mitgehen konnte (Dienstreise), der Vortrag würde ihm auch gefallen und wir könnten später bisschen über unsere „Werke“ fachsimpeln. Aber einiges habe ich mir gemerkt und Jurek erzählt und wir werden daran arbeiten.
Die Ausstellung haben wir heute zusammen noch mal gesehen.

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Laudenbach

Sonntag, 25 Jan 2009 @ 21:08

Wie in letzten Wochen, sind wir (mit Freunden) heute, am Sonntag, bei strahlendem Himmel und Sonne wieder losgezogen um die Gegend zu erobern. Heute sind wir nach Laudenbach gefahren. Das Städtchen liegt ca 4 km entfernt, aber ist schon in Baden-Würtemberg. Dort haben wir das Auto am Friedhof abgestellt und sind losgegangen, zurück nach Heppenheim, ca 5 km.
Der Weg führte uns erst berghoch und wir waren etwas außer Atem, aber dann hat sich schnell eine Gelegenheit zum Ausruhen ergeben: viele lustige Tafeln mit Sprüchen über Wein und Trinken. Wir haben viel gelacht, manche wollen wir uns „für`s Leben“ merken und in manchen haben wir uns gleich selbst gefunden…
Die Landschaft war schön, und die Aussicht auch, aber wir mussten auch unter die Füße schauen, denn der Weg war nach dem Schnee und Frost etwas weich und glitschig, so dass wir manchmal auch seitlich am Gras gelaufen sind. Und mit dummen Unfällen sind wir vorerst bedient. Nur den Hund hat es nicht gestört.
Wir sind am Bombach angekommen, ein Bach, klein aber wichtig!, weil er an der Grenze zwischen Hessen und Baden Würtemberg verläuft. Mit Jurek sind wir schon oft entlang gegangen, aber auf „unserer“ Seite. Angeblich lebt dort ein Geist Motsche, aber wir haben ihn noch nicht gesehen. Vielleicht erscheint er nur abends und nur denen, die die Regeln von den Tafeln zu streng befolgen.
Von den Weinbergen runter, sind wir über die Felder zum Bruchsee gekommen. Ooo, schau mal, Steine schwimmen! Am anderer Ufer sind viele Enten und Gänse – es ist ziemlich lustig zuzusehen, wenn die versuchen auf Eis zu „schwimmen“… Aber wir sind südlich vorbeigegangen, Richtung Felder hinter dem Krankenhaus. Die untergehende Sonne hat lange Schatten über das keimende Getreide geworfen. Es riecht nach Frühling!!
Wir waren gute 1,5 Stunde unterwegs und haben den Spaziergang bei uns ( davor war es bei den Freunden) mit Kaffee beendet. Bevor der Kaffee durch war (na, fast) haben sie Jungs noch schnell – mit zweitem Wagen – unser Auto von Laudenbach abgeholt.

Laudenbach zum lachenLaudenbach zum lachenHeppenheim in SichtHeppenheim in SichtAn der GrenzeBruchseeAm BruchseeSchattenspiele

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Neue Fotos

Sonntag, 18 Jan 2009 @ 21:14

Heute haben wir auf dem polnischen HP-Blog eine neue Seite eingerichtet. Da im polnischen Internet nichts über Heppenheim zu finden ist und wir schon von Bekannten Anfragen hatten, haben wir, mit gemeinsamen Kräften und in guter Teamarbeit, Wikipedia über Heppenheim übersetzt (fast vollständig), sie mit eigenem Wissen ergänzt und mit unseren Bildern verschönert.
Dabei ist uns aufgefallen, dass die deutsche Seite „Entstehung des Blogs“ noch keine Fotos hat. Das haben wir jetzt nachgeholt und laden Euch zum Schauen ein.

Thema: Bunt und krumm | Kommentare (0) | Autor:

Hambach 2.

Sonntag, 11 Jan 2009 @ 21:03

Wie die Idee letzen Sonntag gekeimt hat, haben wir sie heute „geerntet“. Bei Frost, minus 6-7 Grad, strahlend blauem Himmel, Sonne, wurden wir nach Oberhambach gebracht und am letzten möglichen Meter in die Natur raus gelassen. Vor uns haben wir ca 8 Km Rückweg gehabt. Wir waren warm eingepackt, die Sonne hat den Frost erträglicher gemacht, der Schnee knirschte unter den Füßen. Wir sind zwei Stunden gewandert, durch Wald und Weinberge, unterhalb von Starkenburg und oberhalb von der Stadt und haben dabei viele Wege gesehen, die uns noch ganz neu waren.

Winterliche IdylleWohin jetzt?Der Weg in den HimmelDie Kreuzung. Nach Heppenheim noch 6,4 km.Der Abgang zur Stadt.Heppenheim in weiß.

Ein Stück des Weges sind wir an einer Erinnerung vorbei gelaufen, einer Begegnung 1. Grades mit einem wilden Bullen. Vor paar Jahren waren wir in dem Wald unterwegs. Es war still und ruhig. Leise haben wir ein langsames Tuckern wahrgenommen. Um die Ecke ist ein Traktor gekommen, der einen Eisenkäfig ohne Boden gezogen hat und darin einen Bullen geführt hat. Wir haben uns etwas zur Seite gestellt, so weit es auf dem schmalen Waldweg möglich war und wollten die Karawane abwarten. Der Bulle war vermutlich in Gedanken über seine Zukunft oder eine schöne Nachbarin vertieft und hat wohl keine Gestalten wie uns erwartet. Plötzlich hat er, mit Panik in den Augen, versucht den Käfig zu verlassen, hat ihn hin und her gerissen. Jurek hat mich geistesanwesend nur am Kragen gepackt und auf die andere Seite vom Traktor gezogen, in den Sekunden wussten wir selbst nicht, was wir tun sollten. Der Bulle hat den Käfig zur Seite gezogen und stand jetzt mit Füssen im Graben. Jetzt konnte er das Eisenteil mit dem Kopf heben, ist mit aller Gewalt unten raus und im Galopp in den Wald gerannt. Der Bauer hat geschimpft (mit dem Bullen, nicht mit uns), Sch… so viel Zeit, so viel Weg, Sch… wo kann er jetzt sein? Sch… „Vielleicht ist eine hübsche Kuh in der Nachbarschaft?“ – haben wir versucht die Situation zu entschärfen. Es war kein lustiges Gefühl, weiter zu gehen, mit dem Gedanken, dass irgendwo in dem selben Wald ein panisch erschrecktes Tier war.
Immer, wenn wir da laufen, kommt uns das Erlebnis in Erinnerung.
Jetzt haben wir Hambacher Tal auf beiden Seiten erwandert. Weitere Ideen sind schon gesät. Wir laufen uns warm.

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Rekordeiswein

Donnerstag, 8 Jan 2009 @ 16:13

Hurrra!
Heute konnten wir in der Zeitung lesen: gestern früh, bei minus 18 Grad, wurden noch mal 100 Liter Eiswein gelesen, mit 252 Öchsle. Herr Antes, Vorstand der Winzergenossenschaft, erwartet für diese Rarität einen Preis von ca 300€ für 0,33L.
Bei der vorherigen Lese des Spätburgunder wurden paar Reihen gelassen, mit der Hoffnung, dass es noch kälter werden könnte. Je tiefer die Temperatur, um so mehr Wasser gefriert in der Traube, um so essentieller ist der Most. Das Risiko wurde belohnt. Die Trauben waren so eisig, dass bei der Pressung erst nach paar Minuten die ersten Tropfen gekommen sind, zähflüssig und zartrosa. Obwohl im Januar gelesen, gehört der Wein zum Jahrgang 2008. Er wird den Rekord von 1996 schlagen, wo Riesling mit 242 Öchsle bei der World Trophy zum weltbesten Eiswein des Jahrgangs gewählt wurde.
Damit ist die Eisweinlese endgültig abgeschlossen. Jetzt warten wir auf die Weine.

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Hambach

Sonntag, 4 Jan 2009 @ 19:31

Gestern war ein wunderschöner, sonniger und frostiger Tag. Heute hat sich die Sonne nicht gezeigt, aber dafür, dass Schnee angesagt war, ist uns noch gut und trocken gegangen. Bei minus 3°C haben wir uns, mit Freunden, zu einem Spaziergang aufgemacht. Wir wurden nach Hambach gebracht (ein Vorort von HP, zieht sich dörflich paar Kilometer in den Odenwald) und wollten, etwas über 7km, zurück laufen, durch Wald, Hügel und Weinberge.
Warm angezogen, sogar Mützen habe ich im Schrank gefunden, konnten wir gut gehen, nur die Backen wurden rot. So sind wir noch nie gegangen, wir haben die Starkenburg aus einer neuen Perspektive gesehen und schon haben wir eine der nächsten Strecken festgemacht: von Hambach, aber von noch weiter (Oberhambach), laufen wir auf der anderen Talseite, über Schloßberg.
Am Steinkopf waren wir schon mal, auf „Wein und Stein„, und damals haben wir die Abzweigung zu Mediterraner Bepflanzung übersehen. Das haben wir jetzt nachgeholt und in der winterlichen Stimmung haben wir ein bisschen Urlaub-und-Palmen-Atmosphäre geschnuppert. Viele Wingerts sind schon beschnitten, damit nächstes Jahr der Wein wieder gut wachsen kann. Und an der web-cam haben wir kurz Halt gemacht und freundlich dem Internet zugewunken.
Paar mal haben wir Rehe gesehen. Aber einmal, da wollte ich gerade eine Treppenperspektive fotografieren, da sind mir zwei gerade vor das Objektiv vor gelaufen (letztes Bild). Sie sind noch zwei mal hin und her an uns vorbei gesprungen, als ob sie mit uns spielen wollten. Oder sie wollten den Hund ärgern.

Nach solchem Marsch haben wir uns einen heißen Kaffee und dicke Torte (ohne Reue!) verdient. In der Wärme wurden unsere Gesichter immer roter, wie bei Krebsen – bei glücklichen Krebsen!

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150 Jahre

Samstag, 3 Jan 2009 @ 22:54

SüPoStarkenburger Echo“ – unsere Tageszeitung, hat im 2008 ein Jubiläum gefeiert, 150 Jahre. Wir haben sie 1990, als „Südhessische Post“, kurz „Süpo“ kennengelernt. 2002 wurde der Name geändert und es ist uns schwer gefallen uns daran zu gewöhnen. Bis heute sagt man manchmal noch schnell „Süpo“.
In allen Jahren wurden ca 30 000 Tagesausgaben gedruckt.
Die Zeitung hat 6 Kreisausgaben, für: Darmstadt, Rüsselsheim, Groß-Gerau, Ried, Odenwald und Starkenburg, die täglich über 400 000 Leser erreichen. Dazu gibt es auch zwei kostenlose Wochenblätter.
Das ganze Jahr haben wir fast täglich, bei aktuellen Anlässen, Erinnerungen an Beiträge aus allen vergangenen Jahren gelesen. Das hat manchmal zu Irritationen bei älteren Lesern geführt, wenn sie verwechselt haben, ob sie aktuelle oder alte Nachricht lesen. Dazu gibt es auch eine Dokumentation als Jubiläumsausgabe.
Manche Themen dienten mir als Idee für Poste auf unserem Blog (Grace Kelly, Haus Laumann).
Das älteste bekannte Exemplar, vom 19.02.1862, befindet sich im Privatbesitz.

Wir leben in einer kleinen Stadt, da steht man den lokalen Nachrichten sehr nah. Wir kennen die Namen, Gesichter und Ereignisse – das betrift zwar eher mich, denn durch meine Arbeit habe ich eine sehr enge Beziehung zur Stadt und ihren Einwohnern, aber Jurek sitzt mit im Wagen. Die Fotografen sind bekannt und fallen gleich auf „oh, die Presse ist auch schon da“. Ob Brand, Unfall, politischer Streit, Umbau, wichtiger Gast, Veranstaltung – morgen lesen wir, was wir heute schon hier und da hören, sehen oder erleben. In einer kleinen Stadt sind auch kleine Nachrichten wichtig. Und es ist nicht schwer am Geschehen teilzunehmen, das morgen in der Zeitung beschrieben wird. Vielleicht kann man sich auch selbst finden.
Hier möchten wir bescheiden unsere Rolle erwähnen: 12% der 150 Jahre, das ist unsere Zeit in Heppenheim, als statistische und aktive Leser. Heute kostet die Zeitung 1,10€, also in 18 Jahren haben wir ihre Existenz mit ca 5000€ unterstützt. Mehrmals wurden wir zum Thema, Teil vom Thema, optischen Teil vom Ganzen, unabdingbaren Vervollständigung vom Bild (ohne uns wäre ein Loch im Bild…) Na, ja. Es ist einfach schön, morgens sich selbst oder Bekannte zu sehen. Und das nicht nur im Spiegel. Und wenn wir ehrlich sind, man sammelt gern solche Erinnerungen. Für die Enkel: guguck mal, dadada hat Opapa Baball gespielt.
Und paar davon zeigen wir euch jetzt schon:

27.08.1990 - Folkloretage (seit 10 Tagen wohnen wir in Heppenheim).25.08.1997 - Neue Häuser, neue Nachbarn - erste gemeinsame Grillfeier.3.07.1999 - 25-Jahre Caritas Sozialstation.Reitverein - Froschkönig.20.04.2001 - Reitverein - Lehrgang30.01.2002 - Informationsabend über geplannte Forensik.28.06.2002 - Hobby Volleyballer.5.07.2003 - Reitverein - Matadorin.13.05.2004 - Informationsabend vor Hessentag.11.11.2006 - 50-Jahre Jahrgang 56/57.2.07.2007 - 50-Jahre Reitverein.19.03.2008 - Kurs über Pflege zu Hause.

Wir lesen die Zeitung morgens, beim Frühstück. Ich fange mit lokalem Teil an, Jurek mit allgemeinem. Dann tauschen wir, ohne Worte, ohne Streit, wie es sich in einer langjährigen Ehe gehört. Wir stehen um 6:00 auf, erste Schritte, verschlafen, im Nachthemd und Pyjama, führen uns zur Tür, zum Briefkasten. Die Zeitung ist schon da. Nur am Samstag (wenn ich arbeiten muss) fehlt sie manchmal noch – dann bekomme ich so ein unschönes Gefühl der Leere. Was jetzt? Wie soll ich den Tag anfangen? Aber bevor der Kaffee durch ist und ich mein Gesicht im Spiegel wieder erkenne, klappert schon leise der Briefkasten. Wenn wir noch in unseren warmen Bettchen kuscheln und uns noch mal umdrehen, ist die Zeitungsfrau schon längst, leise und pünktlich unterwegs. Ob es noch dunkel ist, oder schon hell, ob es regnet, stürmt, unter Sternenhimmel, oder im Schnee, über noch nicht geräumte Wege, oder in der angenehmen Morgenkühle vor dem heißen Tag – die Zeitungsfrau ist unser erster, zuverlässiger Gast am Tag. Und, obwohl wir sie nicht kennen, freuen wir uns, dass sie gesund ist und uns weiter täglich mit neuesten Nachrichten versorgt. Danke.

Thema: Aus der Zeitung | Kommentare (0) | Autor: